ÖGB: Aufstockung des Lehrlings-Auffangnetzes längst überfällig

7.800 Plätze sind immer noch zu wenig

Wien (ÖGB). (OTS) - Der ÖGB begrüßt die Entscheidung des AMS, das Auffangnetz für lehrstellensuchende Jugendliche aufzustocken. "Die Entscheidung ist zwar richtig, aber leider viel zu spät und noch immer nicht ausreichend. Schon im Frühjahr haben ÖGB und AK vor einer dramatischen Situation am Lehrstellenmarkt im Herbst gewarnt", kritisiert Dr. Richard Leutner, Leitender Sekretär des ÖGB.

Hätte man schon damals auf die Warnrufe gehört und diese ernst genommen, hätte man von der Finanzierung bis hin zu den Vorbereitungskursen schon alles in die Wege leiten können. "Jetzt sind die Jugendlichen und deren Eltern die Leidtragenden dieser Vogel-Strauss-Politik. Nicht nur, dass man sie monatelang im Ungewissen gelassen hat wie es mit ihrer Ausbildungszukunft weitergeht, können sie jetzt auch nicht wie alle anderen im September mit der Berufsschule starten", so Leutner weiter.

Trotz der Aufstockung werden aber noch weitere Plätze benötigt. Im Juli dieses Jahres waren 9.507 Jugendliche sofort, 3.356 sonstige Jugendliche und 4.118 Jugendliche in Lehrgängen, also insgesamt 16.981 Jugendliche, um einen der nur 2.745 offenen Lehrplätze bemüht.

Die Bundesregierung muss für ihre nicht vorhandene Arbeitsmarkt-und Wirtschaftspolitik die Verantwortung übernehmen. "Dem AMS für die politische Untätigkeit die Schuld zu geben wäre falsch. Vielmehr müssen dem AMS jetzt rasch die notwendigen Mittel aus dem Budget zur Verfügung gestellt werden", stellt der Leitende Sekretär des ÖGB fest.

Der ÖGB fordert statt Geldgeschenken an die Wirtschaft alleine für die Bereitstellung von Lehrplätzen 2004 über 120 Millionen Euro, eine Aufstockung der Auffangplätze auf 9.000 sowie Maßnahmen, die die Ausbildungsqualität erhöhen, das Service und die Begleitung für Lehrlinge verbessern und die Finanzierung durch einen Berufsausbildungsfonds auf faire Beine stellen.

"Unsere Lösungsvorschläge und Mahnungen wurden bis jetzt zum Großteil nicht ernst genommen. Es wäre an der Zeit, dass die Bundesregierung erkennt, dass es sich bei der Lehrstellenproblematik der letzten Jahre nicht um ein kurzfristiges Problem handelt. Statt jährlicher Notmaßnahmen muss gemeinsam über längerfristige Reformen im Interesse der Jugendlichen nachgedacht werden", fordert Dr. Richard Leutner abschließend eine konstruktive Diskussion mit den Sozialpartnern ein.

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ÖGB, 23. August 2004 Nr. 552

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