AKNÖ: Reisebüro neppt Kunden mit unseriösen Finanzierungsangeboten

Zinssätze bei Ratenzahlung bis zu 19 Prozent!

Wien (AKNÖ) - Den Urlaub auf Raten zu finanzieren, klingt zwar verlockend, im Endeffekt zahlt man dabei aber drauf. Die Konsumentenschützer der AK Niederösterreich haben herausgefunden, dass die Zinssätze bei Ratenzahlung bis zu 19 % betragen können -entgegen den Versprechungen eines Reisebüros.

Die Hauptreisezeit neigt sich dem Ende zu, und Reisebüros werben via Zeitung, Teletext und Internet, um schnellentschlossene Kunden zur Buchung von Pauschalreisen zu gewinnen. Ein Reisebüro nimmt es dabei mit den Zahlen - bzw. mit der Wahrheit - nicht so genau: Bei "Fasan-Reisen" wird potenziellen Kunden die Traumreise über Kreditfinanzierung angeboten. Mitarbeitern der Konsumentenberatung, die einige Angebote unter die Lupe genommen haben, wurde sowohl in telefonischen als auch in persönlichen Beratungsgesprächen erklärt, dass die angebotenen Finanzierungen in Wahrheit "viel günstiger" kommen als ein Kredit bei der Hausbank.

19 Prozent Verzinsung bei Teilzahlung

Eine kreditfinanzierte Pauschalreise komme demnach auf einen Zinssatz von 6 bis 7 %, während man für einen herkömmlichen Bankkredit etwa 9 bis 10 % Zinsen zahle, so ein Mitarbeiter von "Fasan-Reisen". "Falsch!", erklärt AKNÖ-Bankexperte Ernst Hafrank, "wir haben bei "Fasan-Reisen" drei verschiedene Angebote eingeholt und dabei Zinssätze von 11,9 %, 16,8 % und einmal sogar von 19 % festgestellt."
Er erläutert das Angebot mit den 19 % Zinsen: "Es handelt sich dabei um eine 14-tägige Reise auf die Malediven für zwei Personen. Ohne Teilzahlung kommt diese auf 5.158 Euro. Bei einer Teilzahlung von 12 monatlichen Raten zu je 471 Euro kommt man dann aber auf 5.652 Euro Gesamtkosten. Das entspricht einem Jahreszinssatz von 19 Prozent!" Über das für die Abwicklung des Kleinkredits zuständige Bankinstitut wollte der Reiseberater am Telefon gar keine Auskunft geben. Auch bei der persönlichen Vorsprache wurde erst auf mehrmaliges Nachfragen hin bestätigt, dass es sich dabei um die GE Capital Bank handelt, die den Konsumentenschützern der AK Niederösterreich u.a. als Financier von Warenkrediten bekannt ist.
Ebenfalls erst im persönlichen Gespräch wurde darauf hingewiesen, dass bei einer Kreditfinanzierung der Reise eine Anzahlung in Höhe von 10 % des Reisebetrages fällig wird.

Urlaub auf Pump: Hinein in die Schuldenfalle

Als Argument für die Finanzierung über einen solchen Kleinkredit führt das Reisebüro die Schnelligkeit und Unkompliziertheit an: Um den angeblich so günstigen Kleinkredit zu bekommen, verlangt die GE Capital Bank lediglich eine Kopie von Kontokarte und Ausweis, bei Reisepreisen über 2.500 Euro zusätzlich den letzten Gehaltszettel. Diese Vorgangsweise sei laut Angaben eines Mitarbeiters "absolut seriös".
Eine Meinung, die Hafrank nicht teilen kann: "Das ist nicht seriös! Schalterkredite sind um bis zu zwei Drittel billiger als eine derartige Teilfinanzierung. Schalter- oder Barkredite werden derzeit mit etwa 5 bis 9 % Zinsen vergeben. - Und sogar die auch nicht gerade niedrigen Zinsen für eine Überziehung des Gehaltskontos kommen immer noch billiger als diese von Fasan-Reisen vermittelten Ratenkredite. Ich kann die Konsumenten vor solchen Angeboten nur warnen!"
Auch AKNÖ-Präsident Josef Staudinger ist besorgt über diese Entwicklung und rät den Konsumenten zu sorgfältiger Überlegung: "In unserer heutigen Konsumgesellschaft scheint der Kauf auf Pump schon Normalität zu sein. Aber manche Konsumenten übernehmen sich dabei, und die Firmen machen ihre Gewinne auf dem Rücken gerade jener, die es sich am wenigsten leisten können. Und wer einmal in der Schuldenfalle drinnen ist, kommt so schnell nicht wieder heraus!"

Rückfragen & Kontakt:

AKNÖ Konsumentenberatung
Ernst Hafrank: 01/58883-1310
konsumentenberatung@aknoe.at
http://noe.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKN0001