Niederwieser gegen Rücknahme der Rechtschreibreform

"Rechtschreibreform umsetzen - Weichen stellen für die Zukunft"

Wien (SK) Vor der Sitzung der "Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung" am Montag in Wien betont SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser am Freitag gegenüber dem Pressedienst der SPÖ noch einmal, dass ein Stopp der Rechtschreibreform nicht mehr in Frage komme. 20 Millionen Schüler und Millionen Erwachsene haben in den letzten Jahren die Neue Rechtschreibung erlernt und von den erleichterten Schreibregeln profitiert. "Die neuen Rechtschreibregeln sind für mich auch keine ideologische Frage, außer in dem Sinn, dass sie nicht als Instrument zur Förderung von Schulfrust verwendet werden und dass damit unliebsame Talente diszipliniert werden oder die Freude an der Schule vergällt wird. Schule ist mehr als das stumme "H" am rechten Platz!", betonte Niederwieser. ****

"Gegen die Desinformation und Stimmungsmache einiger Medien (Stichworte: "Verwirrung" und "Chaos") muss auch einmal festgehalten werden, dass es sich bei der Rechtschreibreform nicht um die Willkür von Bürokraten handelt, die sich am hehren Kulturgut unserer "natürlich gewachsenen" Sprache vergriffen haben, sondern um das Ergebnis wissenschaftlichen Überdenkens einer Rechtschreibkonvention von 1901, deren Zeit abgelaufen ist," stellte Niederwieser klar.

Die Neue Rechtschreibung ist für Niederwieser ein Kompromiss auf dem richtigen Weg. Nach 2005 müsse man Weg aber weitergehen in Richtung "Gemäßigte Kleinschreibung" (nur Namen und Satzanfänge werden groß geschrieben) und der generellen Abschaffung des "ß". Das ist in der Schweiz schon seit Jahrzehnten eliminiert, "ohne dass unsere Nachbarn in tiefe Verzweiflung gestürzt wären", so Niederwieser.

Einige weitere Nachbesserungen im Bereich der "Getrennt- und Zusammenschreibung", für die es im alten Regelwerk keine ausreichenden Regeln gab, können bis Mitte 2005 ohne größeren Aufwand durchgeführt werden, einige Korrekturen wurden ja schon im Juni 2004 von der Kultusministerkonferenz beschlossen: "Leid tun" kann ich auch wieder leidtun schreiben ("es tut mir leid") oder "Fleisch fressende Pflanzen" wieder als "fleischfressende Pflanzen". Die überwiegende Zahl der Neuvorschläge sei ohne Problem angenommen worden: "Rad fahren" (wie "Bus fahren", "Bahn fahren" ..) statt "radfahren" ist allen einsichtig.

"Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang für mich auch, dass viele mit den neuen Freiheiten im neuen Schreibgebrauch auf Anhieb nichts anfangen können oder wollen. Eines muss man auch klar sagen: Eine Rechtschreibung, die bis auf den letzten Punkt einfach und eindeutig geregelt ist, kann es in einer Sprache nie geben. Eine Sprache verändert sich täglich im Gebrauch der Menschen, der Medien und die Regelung bzw. das Lexikon hinken immer hinterher. Man denke etwa auch an die weit verbreitete Vorliebe für Falschschreibungen wie den Apostroph beim Genitiv, der dann gerne auch für s-Mehrzahlwörter übernommen wird (die "Kid´s"..)," gibt Niederwieser zu bedenken.

Alle diese Faktoren des Sprachwandels und Sprachgebrauchs führen dazu, dass mit der Deutschen Rechtschreibung nie alle zufrieden sein werden. Niederwieser fordert daher die Umsetzung der Reform ohne Aufschieben. "Ist die Reform durchgeführt, dann kann der neu zu gründende "Rat für Rechtschreibung" eine wirklich mutige Reform der Schreibung des Deutschen angehen", so Niederwieser abschließend. (Schluss) up/mm

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