Schönen guten Morgen, Bananien!

"Presse"-Glosse vom 20.8.04/von Franz Schellhorn

Wien (OTS) - Österreich jubelt. Mehrheitlich zumindest. Die Übernahme der Telekom Austria (TA) durch die Swisscom ist geplatzt, die Telekom bleibt österreichisch. Auch Regierungsmitglieder sind erleichtert. Selbst Finanzminister Grasser will nun schon immer für eine Privatisierung der TA über die Börse gewesen sein. Klar. Deshalb ist er in der Vorwoche ja extra in die Schweiz gereist, um seinen Ressortkollegen Merz zu treffen. Um dort, wie Grassers Kabinettschef Winkler nach dem Treffen beteuerte, die Übernahme der TA durch die Swisscom mit keiner einzigen Silbe zu erwähnen.
Was bleibt nun vom geplatzten Deal? Zuerst einmal die Vernichtung von 1,2 Milliarden Euro allein gestern durch den Kurssturz der Telekom-Aktie an der Wiener Börse.
Zweitens die naive Hoffnung einer ausverkaufsparanoiden Öffentlichkeit, die TA bleibe nun österreichisch. Was jetzt kommt, ist nämlich der Verkauf über die Börse. Und da werden sich bevorzugt ausländische Telekom-Konzerne bedienen. Allerdings zu einem für den Verkäufer (=Republik Österreich) deutlich niedrigeren Preis. Und mit weniger Garantien für den Standort Österreich, als die Swisscom zu geben bereit war.
Die politische Verantwortung für das Scheitern trägt Grasser. Er hat die Fusion aktiv unterstützt. Aber nicht mehr die politische Autorität, sich durchzusetzen. Was freilich noch kein Grund ist, dass er sich so billig aus der Verantwortung stiehlt, indem er jetzt so tut, als wäre das Scheitern des Deals in seinem Sinne.

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