"Presse"-Kommentar: Grüezi, planen Sie einen Ausverkauf? (von Michael Prüller)

Ausgabe vom 18. August 2004

Wien (OTS) - Leicht hat sie's nicht, die ÖIAG, wenn sie am Sonntag über die Zukunft des Staatsanteils an der Telekom Austria entscheiden muss. Denn es gibt viele Möglichkeiten - und keine ist von vornherein ein Erfolgsmodell.
Verkaufen kommt bei Teilen der Belegschaft und der Opposition gar nicht gut an. Nicht verkaufen ist auch keine Lösung: Das Unternehmen würde in einer Zukunft des immer härteren Wettbewerbs in Europa nur noch die Rolle des kleinen Dicken mit dem Schwimmreifen spielen können, dem der Atem ausgeht.
Das Dilemma: Ein Verkauf an die Swisscom wäre keine Privatisierung; und ein Verkauf über die Börse würde dem Staat einen geringeren Erlös bescheren.
Da hilft es auch nichts, sich Vorbilder außerhalb der Branche zu suchen, etwa bei Erste Bank und OMV, die ja auch keinem Ausländer gehören und doch gestern erneut Rekordergebnisse vorlegen konnten. Beide haben jahrzehntelang das Überleben im (relativ) freien Markt üben können, und beide hatten genug Kapital, um vom Übernahmeobjekt zum Übernehmer zu werden. Und dass etwa der Bank-Austria-Verkauf bisher nicht die erhofften Synergieeffekte gebracht hat, liegt vielleicht nicht am Verkauf selbst, sondern daran, dass der Käufer HVB zu kränkelnd ist, um derzeit überhaupt irgendwelche Effekte zu erzielen.
Dass Staatsbesitz an Wirtschaftsunternehmen eine Crux ist, sieht man letztendlich auch daran, wie mühsam es ist, ihn auf vernünftige Weise loszuwerden.

Rückfragen & Kontakt:

Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PPR0001