Krankenstand: Nicht Missbrauch, Entgeltfortzahlung ist das Problem

AK-Chef Goach fordert Wiedereinführung des Entgeltfonds

Klagenfurt (OTS) - Als Ablenkungsmanöver bezeichnet AK-Präsident Günther Goach die Kampagne der Wirtschaftskammer gegen den Krankenstandsmissbrauch. "Das brennende Problem vor allem in den kleinen Betrieben ist ein ganz anderes: sie müssen seit der Abschaffung des Entgeltfortzahlungsfonds für die Lohnzahlungen von kranken Mitarbeitern selbst aufkommen. Dadurch entsteht großer finanzieller Druck. Viele Unternehmer lösen daher die Dienstverhältnisse von Mitarbeitern während des Krankenstandes einfach auf", betont Goach.

"Es krankt nicht am `Blaumachen’ sondern daran, dass es den Entgeltfonds nicht mehr gibt!", sagt Goach. Bei mehr als 300 Betriebsbesuchen sei er von sehr vielen Unternehmern immer wieder damit konfrontiert worden, dass die Abschaffung dieses Fonds hohe Kosten verursache, weil jeder Arbeitgeber für die Lohnzahlungen seiner kranken Mitarbeiter jetzt selbst aufkommen muss. "Wenn Krankenstände in den Betrieben ein Problem darstellen, dann in erster Linie deswegen", verweist Goach auf persönliche Gespräche.

Eine Lösung könne nur durch die rasche Wiedereinführung des Entgeltfortzahlungsfonds erfolgen. "Dafür soll sich auch die Wirtschaftskammer im Interesse ihrer kleinen Mitgliedsbetriebe stark machen, anstatt mit einer unqualifizierten Aktion gegen Arbeitnehmer und Ärzteschaft vorzugehen", fordert Goach.

Die AK lehnt das Ansinnen der Wirtschaftskammer ab, dass bei allen Krankenständen die ersten zwei Tage als "Karenz" ohne Lohnzahlung konsumiert werden müssen. "Das ist der falsche Weg. Wir fordern die Einrichtung des Entgeltfonds und die Einführung eines Auflösungsverbotes von Dienstverhältnissen im Krankenstand", betont Goach.

Dass die Kampagne gegen den angeblichen Krankenstandsmissbrauch aufgebauscht werde, belegt laut Arbeiterkammer die Statistik der Gebietskrankenkasse. Demnach sinkt die Zahl der Krankenstandtage seit dem Jahr 1999 ständig.

Der Entgeltfortzahlungsfonds war ein soziales Netz, das bis Ende 2000 im Krankheitsfall die Lohnzahlungen der Arbeiterinnen und Arbeiter gesichert und die Betriebe entlastet hat. Den Fonds haben bis dahin alle Unternehmen solidarisch mit einem Beitrag von 2,1 Prozent der Lohnsumme gespeist.

"Was die Wirtschaftskammer bei ihrer jetzigen Kampagne verschweigt: der Fonds wurde 2001 auf Initiative ihres Präsidenten Leitl und von Bundesminister Bartenstein unter dem Motto `Senkung der Lohnnebenkosten’ abgeschafft. Damit hat die Kammer selbst ihre kleinen Mitgliedsbetriebe enorm unter Druck gesetzt", erinnert Goach. Leidtragende seien aber vor allem auch die Arbeitnehmer, die im Falle eines Krankenstandes von ihren Dienstgebern jetzt immer öfter auf die Straße gesetzt werden.

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