ÖAMTC: Paradoxes Ungleichgewicht bei Preisentwicklung von Benzin und Diesel

Club fordert, dass Mineralölwirtschaft Kalkulationen offen legt

Wien (ÖAMTC-Presse) - "Die Preisentwicklung bei Benzin und Diesel hat seit dem Fall des Gentlemen's Agreement eine interessante Wende genommen", stellt Elisabeth Brugger-Brandau einen Tag vor der nächsten Spritpreis-Monitoring-Sitzung fest. Damit bei der Preisgestaltung mehr Transparenz möglich ist, sieht der ÖAMTC die Mineralölwirtschaft gefordert: "Mit einer Offenlegung der Kalkulationen ist auch für die Konsumenten die Preisgestaltung nachvollziehbar", sagt die ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin. "Anhand der Transportkosten allein, kann diese Preisentwicklung nicht argumentiert werden, sonst würde ja der Transportweg für Diesel billiger sein, als der für Benzin", sagt Brugger-Brandau. Die ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin hat die Preise analysiert und dieses paradoxe Ungleichgewicht bei der Preisentwicklung von Benzin und Diesel entdeckt:

* Beim Superbenzin waren im heurigen Jahr (von Jahresbeginn bis jetzt) die österreichischen Nettopreise pro Liter durchschnittlich um 2,3 Cent höher als im Durchschnitt der EU-15 (Basis sind noch immer die EU-Länder vor der Erweiterung im Mai 2004). Vor dem Fall der 2,9-Cent-Grenze waren es jedoch im Schnitt "nur" 1,9 Cent, von Mai bis heute sind es 2,7 Cent. In den vergangenen 14 Wochen ist in der Hälfte der Zeit die imaginäre 2,9-Cent-Grenze teilweise massiv überschritten worden. Am höchsten war die Differenz für einen Liter Superbenzin mit 3,8 Cent in der Woche vom 11. Juni 2004.

Die Auswirkungen für die Autofahrer, die Superbenzin tanken müssen, sind im Vergleich mit einem "Durchschnittseuropäer" rein rechnerisch mit 7,3 Euro an Mehrkosten sehr hoch. "Für den einzelnen mögen diese Zusatzkosten vielleicht noch zu verkraften sein", sagt Brugger-Brandau. "Rechnet man aber auf die 2,2 Millionen österreichischen Benzin-Pkw-Fahrer hoch und die im Sommer zahlreichen Touristen, die hierzulande tanken, dann hat die Mineralölwirtschaft ein ordentliches Körberlgeld zu Lasten der Konsumenten lukriert", kritisiert die ÖAMTC-Expertin.

* Etwas moderater stellt sich die Entwicklung beim Diesel dar. Er war über das Gesamtjahr 2004 (bis heute) in Österreich netto pro Liter im Durchschnitt um 1,4 Cent teurer als in den EU-15. Vor dem Gipfel waren es 1,6 Cent, nachher 1,3 Cent. Ausreißer über 2 Cent gab es bis jetzt nur einen, nämlich in der vergangenen Woche. "Trotzdem hatten auch die knapp zwei Millionen Diesel-Pkw-Fahrer wenig Freude. Immerhin bedeutet die Steigerung um drei Euro höhere Kosten gegenüber dem Produktpreis in den EU-15."

Vor dem "Benzinpreisgipfel" am 30. April 2004 gab es einen maximalen Preisabstand zwischen Österreich und dem EU-Durchschnitt. Diese Übereinkunft gab es zwischen dem Wirtschaftsminister und der Mineralölwirtschaft: Die österreichischen Nettopreise (ohne Steuern) durften um maximal 2,9 Cent pro Liter über dem EU-Durchschnitt liegen. Impliziertes Ziel war natürlich auch die kontinuierliche Absenkung der österreichischen Preise auf EU-Durchschnitt.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Sabine Fichtinger

Rückfragen & Kontakt:

ÖAMTC Pressestelle
Tel.: (01) 711 99-1218
pressestelle@oeamtc.at
http://www.oeamtc.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OCP0001