"Neues Volksblatt" Kommentar: "Gut gemeint" (Von Michael Kaltenberger)

Ausgabe vom 17. Juli 2004

Linz (OTS) - =

Gut gemeint ist nicht immer gut, heißt es; oder etwas
deftiger: Gott schütze uns vor jenen, die es gut mit uns meinen! Gut gemeint hat es der Gesetzgeber, als er für behinderte Menschen den besonderen Kündigungsschutz eingeführt hat. Mit dem Ergebnis, dass viele Betriebe, aber auch öffentliche Dienststellen, lieber die Ausgleichstaxe zahlen als quasi unkündbare Behinderte einzustellen. Gut gemeint ist eben nicht immer gut. Die geforderte Anhebung der Ausgleichstaxe mag ein Weg sein, die Bereitschaft der Arbeitgeber zur Einstellung von Behinderten anzuheben. Sicher ist das aber nicht; jedenfalls so lange nicht, solang Behinderte unkündbar sind. Ohne die Lockerung des besonderen Kündigungsschutzes wird es kein Umdenken unter den Arbeitgebern geben. Sie werden auch die höhere Ausgleichstaxe zahlen, wenn auch noch unwilliger als bisher, aber sie werden zahlen. Den Behinderten bringt das gar nichts. Zur Beruhigung der Misstrauischen könnte der Kündigungsschutz in einem ersten Schritt befristet gelockert werden. Dann wird man ja - ohne großes Risiko - sehen, was für die Behinderten besser ist.

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt
Chefredaktion
Tel. 0732/7606 DW 782
volksblatt@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001