Wozu Sozialpartner?

"Presse"-Glosse vom 16.8.04/von Franz Schellhorn

Wien (OTS) - Mythen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie mit der Realität herzlich wenig zu tun haben. Spätestens seit Ende letzter Woche ist Österreich wohl um einen Mythos reicher. Und zwar jenen, dass die obersten Vertreter der Sozialpartnerschaft -Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und Gewerkschaftsboss Fritz Verzetnitsch - kraft ihrer Autorität die effektivsten Streik-Vermittler des Landes sind.
Der AUA-Ausstand vom vergangenen Freitag lässt nicht nur die Streik-Feuerwehr Leitl/Verzetnitsch recht blass aussehen, sondern auch den Schluss zu, dass die Gewerkschaftsspitze einem kolossalen Autoritätsverlust ausgesetzt ist. Da unterschreibt ÖGB-Chef Verzetnitsch im März 2004 eine Vereinbarung, wonach nur mit Zustimmung der ÖGB-Spitze gestreikt werden darf. Die Zustimmung bleibt aus, gestreikt wird trotzdem. Drauf gepfiffen, werden sich die Vertreter des Bord-Personals gedacht haben. Blöd halt nur, dass die entscheidenden Belegschaftsvertreter nebenbei auch noch engagierte ÖGB-Funktionäre sind. Verzetnitsch wird sich doppelt ärgern. Immerhin wirft er sich seit Monaten für die Interessen der AUA-Piloten ins Zeug.
In den nächsten Tagen geht es also nicht nur für die AUA um sehr viel, sondern vor allem für die Sozialpartner. Etwa um deren Glaubwürdigkeit und eine Antwort auf die brennende Frage: Wer braucht eine Sozialpartnerschaft, die nicht einmal in den eigenen Reihen ernst genommen wird?

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