"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Herrscherallüren" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom16.08.2004

Wien (OTS) - Gestern wird wohl so manch ein Kanzler, Landeshäuptling oder Bürgermeister sehnsuchtsvoll nach Liechtenstein geblickt und Fürst Hans-Adam II beneidet haben: Die Mühsal des täglichen Regierungsgeschäfts einem selbst ernannten Nachfolger zu übergeben, dabei aber trotzdem unumschränkter Herrscher im Land zu bleiben - davon können Politiker in klassischen Demokratien nur träumen.
Wenn der Staatsakt dann noch hinter verschlossenen Türen und in kleinem Rahmen stattfindet, wie das gestern in Vaduz der Fall war, mögen anderswo hohe Damen und Herren vollends vor Neid erblassen:
Keine Fernsehkamera und kein Fotograf, kein lästiger Reporter und kein frecher Fragensteller konnte die Würde des Augenblicks auch nur im mindesten trüben. Ein kleiner Formalakt im engsten Familienkreis -das war’s.
Doch halt: Den Mittags-Apero, zu dem der Fürst seine Untertanen ins Schloss geladen hatte und auch das abendliche Feuerwerk berappte der Monarch selbstverständlich aus der eigenen Tasche, statt damit wie hierzulande bei solchen Anlässen üblich den Staatssäckel zu strapazieren. Wer sich solches leisten kann und will, dem sieht das Volk politische Extravaganzen offenbar bereitwillig nach - vor allem dann, wenn die Herrscherallüren dem Wohlbefinden des Landes insgesamt keineswegs abträglich sind.

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