WirtschaftsBlatt-Kommentar Alarmsignale für die Weltwirtschaft

von Hans Weitmayer

Wien (OTS) - Hat man noch vor kurzem in Analyse-Abteilungen dieses Landes angerufen und kritisch nach der Befindlichkeit der Weltkonjunktur gefragt, so konnte man schon einmal folgende Antwort hören: "Die Zahlen sind gut, und das ist eben so."

Erkundigungen nach US-Zwillingsdefizit und Arbeitsmarkt wurden ignoriert - weil gerade nicht im Mittelpunkt des Marktinteresses. Bedenken zur Nachhaltigkeit des japanischen Comebacks wurden ungeduldig beiseite gewischt. Zweifel daran, ob Gewinne, die praktisch nur auf Grund von Rationalisierungen und der Freisetzung von zig tausenden Erwerbstätigen besonders nachhaltig sein könnten, gab es ebenfalls nur selten.

Der Aufschwung findet statt, lautete das Motto, und man brauchte wirklich keine Grantler, die einen solchen zerreden könnten. Vor allem dann nicht, wenn es Zeit wurde, wieder Aktien an den Mann zu bringen. Mit Technologie-Fantasien konnte man nach dem Platzen der High-Tech-Blase keine grossen Anlegerschichten mehr ansprechen. Eine neue Wunderwaffe musste her - und die hiess: Konjunkturdaten. Ein möglichst optimistisch gemaltes Bild sollte zum Einstieg verleiten -und das ging soweit ja auch für alle gut.

Der nicht perfekt informierte Kleinanleger läuft jetzt aber -ähnlich wie 2000 - Gefahr, den Ausstieg zu verpassen. Die Konjunkturbelebung befindet sich in einer Spätphase. Und wer an dieser Stelle Panikmache unterstellt, sollte sich die globalen Konjunkturdaten der vergangenen Tage ansehen: Japans BIP ist im zweiten Quartal um annualisiert 1,7 Prozent gewachsen - mehr als vier Prozent standen im Raum. Der private Konsum bricht einmal mehr weg. Japan, die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt, ist wieder auf Exporte in die USA angewiesen.

Die Amerikaner haben aber weder ihr Zwillingsdefizit noch ihr Arbeitsmarktproblem gelöst. Die jüngsten Zahlen zum Arbeitsmarkt in den Staaten waren ernüchternd und haben möglicherweise sogar die Notenbank zu einer Anpassung ihrer Zinssteigerungs-Politik bewogen. Das annualisierte US-BIP ist im zweiten Quartal um enttäuschende 4,8 Prozent gestiegen; wer für die USA immer noch die hohle - und zynische - Phrase von "jobless growth" in den Mund nimmt, erkennt die Zeichen der Zeit nicht.

Und Europa: 0,5 Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorquartal sind nicht nur desillusionierend, sondern performen auch unter den Erwartungen der Märkte. Für den Kleinanleger bedeutet das: Erhöhtes Misstrauen bei Jubelmeldungen, um einem Déjà-vu à la Jahrtausendwende zu entgehen.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001