AMA lässt Machbarkeit einer gentechnikfreien Fütterung überprüfen

Mikinovic: Gentechnikfreiheit nicht in "Hau-Ruck-Aktion" auf Kosten der Bauern

Wien (AIZ) - Wegen der Erwartungshaltung der Konsumenten will die Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH. (AMA) als erste und einzige Organisation in Österreich die Möglichkeit des Einsatzes gentechnikfreier Futtermittel in ihrem AMA-Gütesiegelprogramm, welches bereits als bestes europäisches Qualitätsprogramm ausgezeichnet worden ist, prüfen lassen. "Wir befinden uns im Visier einer aggressiven Kampagne von mittlerweile zwei Umweltorganisationen. Während die Landwirtschaft an sich für derartige Attacken schwer greifbar ist, bedient man sich stellvertretend 'besser' bei einem bedeutenden Symbol, dem AMA-Gütesiegel. Da dieses wie kein anderes Qualitätsprogramm für Transparenz und Offenheit seiner Methoden und Standards steht, kann es viel gezielter angegriffen werden als andere", erklärte der Geschäftsführer der AMA, Stephan Mikinovic, heute bei einer Pressekonferenz. Man sei zwar durchaus für Gespräche mit diversen NGOs (Nichtregierungsorganisationen) offen und auch sehr wohl daran interessiert, den Österreichern das zu ermöglichen, was sich diese wünschen, jedoch könne dies angesichts der weltweiten Warenströme nicht ohne weiteres garantiert werden und dürfe schon gar nicht in einer kurzfristigen "Hau-Ruck-Aktion" auf Kosten der Produzenten geschehen. Sowohl im Sinne der Landwirte als auch der zahlenden Konsumenten müsse ein derartiges Unterfangen verantwortungsvoll überdacht, durchgerechnet und geplant werden.

Mikinovic: Wir stehen nicht auf der Bremse

"Wir stehen nicht auf der Bremse. Allerdings ist es nicht leicht, alle notwendigen Futtermittelbestandteile von heute auf morgen durch 100%ig gentechnikfreie zu ersetzen. 90% des für die Mast verwendeten Futters stammt ohnehin aus Österreich selbst und ist somit mit Sicherheit gentechnikfrei. Ein gewisser Prozentsatz des Futters jedoch - das pflanzliche Eiweiß - wird derzeit nicht in ausreichender Menge in Österreich produziert. Deshalb muss vor allem aus Amerika Sojaschrot zugekauft werden", erklärte Mikinovic.

Schwierigkeit, 100%ig gentechnikfreies Soja zu finden

Derzeit wäre es schwierig, eine Menge von 100.000 t Soja, die man allein für das AMA-Gütesiegelprogramm benötigt, gesichert aus gentechnikfreiem Anbau anzukaufen. In den meisten Soja-produzierenden Ländern sei der GVO-Anteil nämlich bereits sehr hoch. Heutzutage sei gentechnikfreies Soja in ausreichenden Mengen hauptsächlich nur noch aus Brasilien zu beziehen, und selbst dort gewinne der GVO-Anbau immer mehr an Bedeutung. Gerade im Hinblick auf Fragen wie die Koexistenz und Pollenflug könne in derartigen Ländern kaum mehr vor 100%iger GVO-Freiheit gesprochen werden. Allerdings sei es auch nicht einfach möglich, zu beschließen, in Zukunft alles in Österreich zu produzieren, weil dies - gerade in Zeiten der Weltmarktliberalisierung - mit entscheidenden rechtlichen und wirtschaftspolitischen Fragen und Problemen verbunden sei. "Für unsere Bauern wäre es auch wichtig, dass der Zukauf von entsprechendem Futter garantiert werden kann. Die Versorgungssicherheit ist ganz entscheidend", so Mikinovic.

Gentechnikfreiheit bezieht sich auch auf Zusatzstoffe, Düngemittel etc.

"Das Thema Gentechnikfreiheit ist überdies noch viel komplexer, als man es vermuten würde", betonte auch der Leiter des Qualitätsmanagements der AMA, Martin Greßl. "Die Gentechnikfreiheit beschränkt sich nicht nur auf Soja, sondern betrifft genauso die Erzeugung, den Einsatz, die Lagerung und den Transport aller Hilfs-und Zusatzstoffe wie beispielsweise Vitamine und Aminosäuren", so Greßl. Selbst Dünge- und Pflanzenschutzmittel müssten unter diesem Gesichtspunkt betrachtet und neu bewertet werden. Zusätzlich wäre es auch nötig, die ohnehin strenge Kontrollsystematik anzupassen, betonten die AMA-Vertreter.

Mehrpreis muss kalkulierbar sein - Wettbewerbsfähigkeit entscheidend

"Ganz entscheidend wird auch sein, wie hoch die Mehrkosten durch die gentechnikfreie Fütterung sein werden, und ob diese verkraftbar sind oder nicht. Auf jeden Fall müssen die Landwirte für diesen erheblichen Mehraufwand entsprechend entschädigt werden", betonte Greßl. Mit genauen Zahlenangaben täte man sich etwas schwer, muss doch auch bedacht werden, dass unter anderem zu bestimmten Zeiten im Jahr nur bestimmte Fleischstücke nachgefragt werden, wie derzeit im Sommer hauptsächlich Koteletts, Schnitzel und Karree zum Grillen. Die Mehrkosten könnten somit nicht bloß pro kg Schlachtvieh berechnet werden, sondern seien oft noch zu vervielfachen. Während der erhöhte Aufwand den Landwirt so etwa 6 bis 12 Cent pro kg Schweinefleisch mehr kosten würde, könnte dieses den Verbraucher schon bis zu 80 Cent teurer kommen.

Konsument muss bereit sein, mehr zu zahlen

"Wenn der Konsument sich eine gentechnikfreie Fütterung der Tiere wünscht, muss er auch bereit sein, das zu bezahlen. Die Märkte besitzen oft jedoch eine ungeheure Preissensibilität. Auch diese soll in unserer Machbarkeitsstudie, die etwa drei Monate dauern wird, berücksichtigt werden. Die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte ist nämlich ein ganz entscheidender Faktor", erklärte der Leiter des AMA-Qualitätsmanagements. Nach Abschluss dieser Untersuchung müsse genauestens erörtert werden, ob sich dieser Mehraufwand für alle Beteiligten lohne oder nicht. Eine Entscheidung darüber soll schlussendlich in den zuständigen Fachgremien getroffen werden, die aus nominierten Vertretern der Landwirtschaft, der Wirtschaft und dem Lebensmittelhandel, welche zugleich auch am AMA-Gütesiegelprogramm teilnehmen und Vertretern der sozialpartnerschaftlichen Organisationen im übergeordneten Lenkungsgremium bestehen.

Nach Beschluss mit einem halben Jahr Vorlaufzeit zu rechnen

Zu bedenken gab Greßl auch, dass selbst nach Abschluss der Studie noch kein Fleisch von Tieren, die 100%ig gentechnikfrei ernährt wurden, in den Regalen zu finden sei. "Das ganze Projekt braucht seine Vorlaufzeit. Schließlich benötigen die Landwirte Monate, um das lagernde Futter zu verbrauchen und neue Tiere, die diesen geänderten Standards entsprechen, aufzuziehen", erklärte der AMA-Vertreter. Dadurch sei nach einem Beschluss noch mit einem guten halben Jahr Vorlaufzeit zu rechnen.

Bioproduzenten garantieren GVO-Freiheit im Lebensmittel- und Futtermittelbereich

Wer schon jetzt Fleisch von 100%ig gentechnikfrei ernährten Tieren essen wolle, könne auf Biolebensmittel ausweichen. "Im Moment garantieren die Bioproduzenten Gentechnikfreiheit im Lebensmittel-und Futtermittelbereich", erklärte Mikinovic. Wie verwirrt die Konsumenten mittlerweile jedoch wären, verdeutlichte der AMA-Geschäftsführer anhand eines Beispiels: "In Tirol hat die als gentechnikfrei deklarierte Tirol-Milch die Biomilchproduzenten förmlich vom Markt verdrängt, obwohl ökologische Milchprodukte ohnehin von GVO-frei ernährten Tieren stammen", so Mikinovic.

Keine Qualitätsprogramme mit gentechnikfreier Fütterung im Ausland bekannt

Auf keinen Fall wolle man sich jedenfalls gefallen lassen, dass das international anerkannte AMA-Gütesiegel, das einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor auf den Inlandsmärkten und auch im Außenhandel darstellt, in den Schmutz gezogen werde. "Beispielsweise ist im Zuge unseres Programms der Einsatz von Antibiotika und chemischen Leistungsförderern verboten, was eine Besonderheit darstellt. Wir kontrollieren die strengen Lebensmittelsicherheits- und Qualitätsstandards mit Hilfe von Tausenden Urin- und Kotproben. Zusätzlich sind uns auch keine Qualitätsprogramme aus anderen Ländern bekannt, die wie wir daran arbeiten, ihre Tiere gentechnikfrei zu ernähren, oder dies gar schon erreicht haben", unterstrich Mikinovic. Wer somit etwas für die Erhaltung einer hohen Lebensmittelsicherheit und der bäuerlichen Familienbetriebe in Österreich tun wolle, sollte sich lieber auf heimische Qualitätsprodukte verlassen, anstelle Billiges aus dem Ausland zu erwerben, betonten Mikinovic und Greßl. (Schluss) leith

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