WirtschaftsBlatt-Kommentar Das Dilemma der Investkredit

von Christian Höller

Wien (OTS) - Aus dem geplanten Verkauf der Investkredit, der vor zwei Monaten für Schlagzeilen gesorgt hat, scheint nichts zu werden. Denn die österreichischen Grossbanken und Versicherungen, die zusammen 86 Prozent an der Investkredit halten, haben inzwischen eingesehen, dass sie sich mit dem Verkauf ein Eigentor schiessen würden.

Kaum waren die von der Bawag angetriebenen Verkaufsabsichten bekannt, haben italienische Grossbanken wie UniCredito und BancaIntesa ihr Interesse an der Investkredit - immerhin die Nummer sechs am österreichischen Bankenmarkt - angemeldet.

Die Italiener wären durchaus bereit, grössere Summen für die Investkredit hinzulegen, heisst es in Finanzkreisen. Aus Angst vor einem neuen Player, der die hiesige Finanzszene ordentlich aufwirbeln könnte, wollen es die Investkredit-Eigentümer lieber beim Status quo belassen. Die Italiener suchen seit längerem nach Übernahmeobjekten in Österreich.

Die UniCredito war beispielsweise vor vier Jahren am Kauf der Bank Austria-Creditanstalt (BA-CA) interessiert und hat zuletzt versucht, die 3-Banken-Gruppe zu übernehmen. Mit der Investkredit hätten die Italiener nicht nur gross in Österreich, sondern auch in Osteuropa expandieren können.

Derzeit gelingt es den heimischen Banken mit Ach und Krach, allfällige Expansionsgelüste der Investkredit im Zaum zu halten. Das Institut ist vorwiegend auf Nischensegmente (Immobilien, Firmenkunden und öffentliche Finanzierung) spezialisiert. Bei einem neuen Eigentümer würde die Investkredit sofort bei der Finanzmarktaufsicht um eine erweiterte Bankkonzession ansuchen und ins Privatkundengeschäft einsteigen.

Trotz der auf Eis gelegten Verkaufspläne wird sich die historisch gewachsene Eigentümerstruktur der Investkredit langfristig ändern müssen. Denn der derzeitige Zustand ist alles andere als optimal.

Die jetzigen Eigentümer haben kein Interesse, für die Expansionspläne der Investkredit viel Geld in die Hand zu nehmen. Daher wäre es das Beste, den Vorschlag von Investkredit-Chef Wilfried Stadler aufzunehmen und die Spezialbank stärker an die Wiener Börse zu binden. Derzeit notieren erst 14 Prozent der Investkredit-Aktien im Streubesitz.

Die österreichischen Grossbanken könnten ihre Anteile sukzessive über die Börse reduzieren. Damit würden sie nicht nur einen Verkaufserlös erzielen, sondern auch ausländische Konkurrenten fern halten. Der Aktienverkauf könnte auch mit einer Kapitalerhöhung verknüpft werden, damit die Investkredit Geld für den Ausbau des Geschäfts in Osteuropa hereinbekommt.

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