ÖAMTC: Urlaubsärger nicht stillschweigend hinnehmen - Richtig reklamieren

Bei verpatzter Reise kann man häufig Ansprüche geltend machen

Wien (ÖAMTC-Presse) - Montreal und Frankfurt. Diese beiden Städtenamen sollten sich jene Reisende gut merken, die im Urlaub enttäuscht wurden. Im "Montrealer Übereinkommen" ist der Anspruch auf Schadenersatz bei der Beförderung von Personen und Gepäck sowie bei Verspätungen neu geregelt worden. Dank "Frankfurter Tabelle" gibt es für zahlreiche Urlaubsmängel Preisabschläge. "Welche Ansprüche der Urlauber geltend machen kann, hängt davon ab, ob er nur den Flug allein - in der Regel einen Linienflug - oder eine Pauschalreise gebucht hat", sagt ÖAMTC-Juristin Gabriele Pfeiffer.

Ende Juni hat das "Montrealer Übereinkommen" für Haftungsfragen im Luftverkehr das bisher geltende "Warschauer Abkommen" abgelöst. Die Fluggesellschaft muss dem Fluggast den Schaden ersetzen, der ihm entsteht. Das gilt sowohl bei der Personen- als auch bei der Gepäckbeförderung, und zwar zum Teil unabhängig davon, ob die Fluglinie ein Verschulden trifft oder nicht. Bei Verspätung von Fluggast oder Gepäck kann sich die Fluggesellschaft allerdings "freibeweisen", wenn sie alle zumutbaren Maßnahmen getroffen hat. Außerdem ist der Ersatz betragsmäßig beschränkt.

Wer also zum Beispiel seinen Anschlussflug wegen Verspätung verpasst, kann diesen Schaden geltend machen. Bei Gepäckverspätung muss die Fluggesellschaft die Kosten für notwendige Anschaffungen übernehmen, also etwa für die Zahnbürste oder die benötigte Bekleidung.

Auch Pauschalreisende profitieren davon: Sie müssen allerdings ihre Ansprüche über den Reiseveranstalter geltend machen. Zusätzlich haben Pauschalreisende gegenüber dem Reiseveranstalter noch weitere Ansprüche. Bei Flugverspätungen braucht der Urlauber lediglich geringfügige Verzögerungen hinnehmen. Darüber hinaus kann - auch wenn gar kein Schaden eingetreten ist - eine Preisminderung verlangt werden, und zwar unabhängig vom Grund der Verspätung und dem Vorliegen eines Verschuldens.

Die "Frankfurter Tabelle" listet Preisabschläge für die häufigsten Urlaubsmängel: Fehlt der Balkon, obwohl ein Balkonzimmer gebucht worden ist, besteht Anspruch auf fünf bis zehn Prozent Minderung des Reisepreises. Für Ungeziefer im Hotelzimmer sind zwischen zehn und 50 Prozent möglich. Für Lärmbelästigung in der Nacht stehen dem Urlauber bei einer Reklamation zwischen zehn und 40 Prozent zu. Auch bei mangelhafter Verpflegung kann man reklamieren: Bei verdorbenen und ungenießbaren Speisen besteht Anspruch auf 20 bis 30 Prozent Minderung des Reisepreises. "Wenn die schönen Bilder im Reiseprospekt der Realität nicht Stand halten, soll man Mängel auf keinen Fall stillschweigend hinnehmen, sondern reagieren", sagt Pfeiffer. Einige Tipps zum richtigen Reklamieren:

* Bei jedem Mangel sollte man sofort Maßnahmen verlangen. Entpuppt sich etwa das bestellte Zimmer mit Meerblick als "Besenkammerl" mit Hinterhofpanorama, reklamiert man raschest möglich eine Umquartierung.

* Sollte der Mangel nicht behoben werden, unbedingt die Beschwerde vom örtlichen Vertreter des Reiseveranstalters schriftlich bestätigen lassen. Diese Bestätigung erleichtert dem Urlauber nach der Rückkehr das Durchsetzen von Preisminderungs-Ansprüchen. Fehlt eine Mängelrüge vor Ort, bleiben die Ansprüche zwar trotzdem aufrecht, die Beweisbarkeit wird aber schwieriger.

* Beweise für die beanstandeten Mängel schnell sichern. Fotos, Video und Zeugen, die bereit sind, die Angaben über die Mängel zu bestätigen, verbessern die Beweislage.

* Werden erhebliche Mängel nicht beseitigt, kann sich für den Urlauber die Frage nach einer vorzeitigen Rückreise stellen. Um zu verhindern, dass er mit seinen Ansprüchen auf Rückzahlung des gesamten Reisepreises leer ausgeht, sollte unbedingt vor der Heimreise Kontakt mit einem ÖAMTC-Juristen aufgenommen werden:
24-Stunden-Hotline der Schutzbrief-Nothilfe unter Tel. 0043 1 25 120 00.

* Wird der Erholungswert nach einem solchen Mangel erheblich beeinträchtigt, kann beim Reiseveranstalter seit kurzem auch Schadenersatz für "entgangene Urlaubsfreude" geltend gemacht werden. Das heißt, auch für "immaterielle" Schäden, kann es Ersatz geben. Auslöser dieser Neuerung im Konsumentenschutzgesetz war ein EuGH-Urteil nach einer Salmonellen-Epidemie in einem Ferienclub.

* Nach der Rückkehr schnellstens beim Reiseveranstalter reklamieren - und zwar schriftlich und eingeschrieben. Besteht der Anspruch zu Recht, kann man auf Barauszahlung der Preisminderung bestehen. Handelt es sich aber um eine Kulanzleistung, werden Reiseveranstalter oft nur Gutscheine anbieten.

Zur Bezifferung kann die "Frankfurter Tabelle", die auch von österreichischen Gerichten als Basis verwendet wird, als Orientierung dienen. Bei den Verhandlungen mit dem Reiseveranstalter ist die ÖAMTC-Rechtsberatung gerne behilflich. Die "Frankfurter Tabelle" und weitere Infos zum Thema "Reiserecht" können auf der Homepage des Clubs unter http://www.oeamtc.at/reise/ abgerufen werden.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger

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