Mehr als 12.000 Unterschriften für "Play Fair at the Olympics"!

Sechs Firmen machen erste Zugeständnisse

Wien (ÖGB) - In der olympischen Charta werden Menschenwürde und Fairness betont. Leider gilt dies nicht für die ArbeiterInnen, die Sportbekleidung und Fanartikel herstellen. Ihre Menschenrechte werden täglich verletzt. Gegen diesen Missstand und für faire Arbeitsbedingungen in der Sportbekleidungsproduktion haben sich nun mehr als 12.000 ÖsterreicherInnen ausgesprochen, weltweit sogar über eine halbe Million Menschen. GdE-Vorsitzender Wilhelm Haberzettl und Stefan Kerl von Clean Clothes präsentierten heute bei einer Pressekonferenz in Wien die ersten Erfolge der gemeinsamen Kampagne von ÖGB und Clean Clothes "Play Fair at the Olympics".++++

"Unser Vorarbeiter fordert uns auf, schneller zu arbeiten, präzise zu nähen und die festgesetzten Ziele zu schaffen. Mein Ziel sind 120 Hosen pro Stunde. Dafür verdiene ich zwischen 1,25 Dollar und 1,50 Dollar. An einem normalen Arbeitstag muss ich 960 Paar nähen. Wenn ich das nicht schaffe, entfällt mein monatlicher Bonus von 5 Dollar. Um mein Ziel zu erreichen, vermeide ich es sogar, zur Toilette zu gehen", schildert die 25-jährige Mara aus Kambodscha im Report zur Kampagne ihren Alltag.

"Maras Schicksal ist kein Einzelfall. Um immer schneller und billiger zu produzieren und in immer kürzeren Lieferzeiten den Bedarf an neuesten Modetrends zu decken, zwingen die Zulieferer ihre Beschäftigten, zu Hungerlöhnen länger und härter zu arbeiten und verweigern ihnen fundamentale ArbeitnehmerInnenrechte wie das Recht auf gewerkschaftliche Organisierung", erklärte Haberzettl.

Die Anfang März gestartete Kampagne "Play Fair at the Olympics" ruft die olympischen Komitees und die Sportbekleidungskonzerne auf, Verantwortung für die Arbeitsbedingungen in der Herstellung ihrer Sportbekleidung zu übernehmen und die Umsetzung fairer Arbeitsbedingungen zu garantieren. "Im Sport ist es selbstverständlich, dass Schiedsrichter auf Fairness achten und die bestrafen, die sich dagegen verhalten, so soll es auch in der Wirtschaft sein", meint der Staatsmeister im Segeln und Olympiateilnehmer Andreas Hanakamp, einer der prominenten UnterstützerInnen der Kampagne.

Die hunderttausenden Unterschriften, Protestkarten und E-Mails von KonsumentInnen konnten von den Sportartikelkonzernen nicht ignoriert werden. "Sechs der sieben Unternehmen, die als Kampagneziele ausgewählt wurden, haben bereits Verhandlungen aufgenommen. Dies sind Puma, Asics, Fila, Mizuno, Lotto und Umbro. Kappa hat sich noch nicht bereit erklärt. Umbro hat sogar um Mitgliedschaft bei der Fair Labor Association (FLA), einer unabhängigen Überprüfungsorganisation, angesucht, was schon eine konkrete Absicht zu Verbesserungen beweist und folgt damit dem Beispiel von Puma, die schon im Jänner 2004 Mitglied wurden", schilderte der Koordinator der Clean Clothes-Kampagne, Stefan Kerl, die ersten Erfolge.

Anders als die Konzerne hat das Internationale Olympische Comité (IOC) nach anfänglichen Gesprächen, die Verhandlungen abgebrochen und versucht sich vor der Verantwortung zu drücken. "Die Kampagne endet aber nicht mit diesen olympischen Spielen in Athen, sondern wird fortgesetzt, solange bis die Konzerne und das IOC konkrete Maßnahmen setzen und der olympische Gedanke von Menschenwürde und Fairness auch in der Sportbekleidungsproduktion gilt. Der Druck muss weitergehen, damit bei den nächsten Spielen in Peking 2008 endlich auch die Frauen und Männer an den Nähmaschinen zu GewinnerInnen werden!", sind sich Haberzettl und Kerl einig.

Die internationale Kampagne "Play Fair at the Olympics! Respect Workers Rights in the Sportswear Industry!" wird gemeinsam von der Hilfsorganisation Oxfam International, der Clean Clothes-Campaign und dem Gewerkschaftsnetz Global Unions durchgeführt. In Österreich wird die Kampagne gemeinsam vom ÖGB und der Clean Clothes-Kampagne getragen.

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ÖGB, 11. August
2004
Nr. 544

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