Zukunftsbranche Leiharbeiter: bessere Information bringt deutliche Senkung des zu hohen Unfallrisikos.

AUVA Landesstelle Wien regt Begleitpass, Sicherheits-Checkliste und gesetzliche Änderung der Meldepflicht an.

Wien (OTS) - Die rasant wachsende Gruppe der Zeit- oder
Leiharbeiter ist einem viermal so hohen Unfallrisiko ausgesetzt - vor allem in den ersten Wochen an einem neu vermittelten Arbeitsplatz. Besonders betroffen sind Arbeitnehmer bis 25 Jahre, in Klein- und Mittelbetrieben sowie Hilfsarbeiter. Der Unfallverhütungsdienst der AUVA Landesstelle Wien hat die Situation der Leiharbeiter untersucht, Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet und mit Verleihfirmen getestet. Derzeit wird die Initiative mit Wirtschafts- und Arbeiterkammer, Gewerkschaft, Arbeitsinspektoraten und Gesundheitsministerium diskutiert. Es geht um eine Einbeziehung der Beschäftiger in die Unfallmeldepflicht, die Einführung von Leiharbeiterpass und Sicherheits-Check, sowie die gesetzliche Verankerung, dass sich die Verleiher vergewissern können, dass eine sicherheitstechnische Unterweisung des Leiharbeiters und die Evaluierung seines Arbeitsplatzes erfolgt sind.

Die Studie des Unfallverhütungsdienstes der AUVA-Landesstelle Wien zeigt Informationslücken als die wichtigsten Ursachen für das hohe Unfallrisiko auf:

  • Aus Zeitmangel kommen Leiharbeiter bei den Sicherheitsschulungen immer wieder zu kurz
  • Verleiher erfüllen ihre gesetzliche Verpflichtung Arbeitsunfälle zu melden, haben aber keine Möglichkeit, die Gefahrenquelle im Beschäftigerbetrieb zu beseitigen.

Als wichtigste Maßnahmen zur Vermeidung gefährlicher Lücken in der Informationskette hat die AUVA Landesstelle Wien einen Begleitpass für den Arbeitnehmer, einen Sicherheits-Check für die Arbeitgeber entwickelt. Weiters schlägt die AUVA die Erweiterung der Unfallmeldungen vor: Beschäftiger müssen sie ebenfalls ausfüllen -bislang lag die Meldepflicht ausschließlich bei den Verleihern. Überlasserfirmen - zum Beispiel Trenkwalder AG, Manpower Austria -haben sich als Kooperationspartner für die Praxiserprobung von Begleitpass und Sicherheits-Check zur Verfügung gestellt.

Alle Präventivkräfte der AUVA Landesstelle Wien wurden angewiesen, bei Betriebsbesuchen und Beratungen auf die Sicherheitsprobleme mit Zeitarbeitern einzugehen. Das Schließen der Infolücken im Zuge der Sicherheits-Studie hat bereits zu Verbesserungen geführt: die Unfallrate in Wien, Niederösterreich und Burgenland sank binnen zwei Jahre um 64 Prozent, die Krankenstandstage gingen in diesem Zeitraum um 15.000 Tage zurück. Dies bedeutet allein für diese Betriebe, eine finanzielle Entlastung um rund 1,8 Millionen Euro.

Der Unfallverhütungsdienst der AUVA Landesstelle Wien startete die Aktion "Leiharbeiter leben gefährlich" auf Grund der hohen Unfallrate (Siehe Grafiken) und der prognostizierten rasanten Zunahme dieser Beschäftigungsverhältnisse im November 2000. Die mehrstufigen Felduntersuchungen liefen von April 2001 bis September 2003. Projektleiterin Ing. Ramona Bauer-Miksch fand ihre Vermutung, dass große sicherheitstechnische Informationslücken auf Grund der geteilten Verantwortung zwischen Verleih- und beschäftigenden Firmen bestehen, bald bestätigt:" Das Problem war beiden Seiten nicht bewusst. Allein, dass wir darüber gesprochen haben, hat bereits zu einer Sensibilisierung geführt. Unfallkausale Maßnahmen wurden überlegt, die sicherheitstechnischen Unterweisungen verbessert. Dies hat zu einer erfreulichen Verbesserung der Unfallrate geführt. Wir sind überall auf offene Türen und Ohren gestoßen. Die Detailergebnisse aus den Interviews und Fragebögen werden mit Interessensvertretungen und Verleihfirmen intensiv diskutiert."

Um Unfälle von Zeitarbeitern zu vermeiden, hat die AUVA Landesstelle Wien einen Begleitpass für Leiharbeiter, eine Sicherheits-Checkliste für den Beschäftiger und Infomaterial für die Überlasser ausgearbeitet.

Der Begleitpass:
Er enthält persönliche Daten und ein Foto des Arbeitnehmers - um Missbrauch zu vermeiden -, die Eignungsunterlagen und Tipps zur bestmöglichen Einführung des Zeitarbeiters auf seiner jeweiligen Arbeitsstätte.

Der Sicherheits-Check für Zeitarbeiter:
Auf einer DIN A-4-Seite sind die wichtigsten Punkte einer Sicherheitsunterweisung zum Ankreuzen zusammengefasst.

Informationsmaterial:
Alle für die Betriebe relevanten Informationen, zum Beispiel die gesetzlichen Rechte und Pflichten, Merkblätter, Unfallmeldungen etc., können kostenlos beim Unfallverhütungsdienst der AUVA-Landesstelle Wien und im Internet bezogen werden.

Alle generellen Informationen sind im Internet unter www.auva.at/publikationen bzw. für Betriebe bis 50 Arbeitnehmer unter www.auva.at/auvasicher zu finden. Details zur AUVA-Aktion "Leiharbeiter leben gefährlich", die wichtigsten Erkenntnisse aus 275 Fragebögen, statistische Daten zum Unfallrisiko von Leiharbeitern und zu den Unschärfen der gesetzliche Bestimmungen finden Sie im Internet unter www.auva.at/wien/ unter AKTUELL.

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