• 09.08.2004, 17:45:35
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Von Montag bis Donnerstag

"Presse"-Glosse vom 10.8.2004, von Andreas Unterberger

Wien (OTS) - Sie marschieren wieder. In der (ehemaligen) DDR gibt
es neue "Montagsdemonstrationen", also eine Neuauflage jener
Kundgebungen, die unter dem Ruf "Wir sind das Volk" eines der
bösesten Regime Nachkriegseuropas beseitigen halfen, ein System, das
tausendfach Blut an seinen Fingern hatte, das millionenfach Menschen
gequält, bedroht, ausspioniert, verfolgt hat.
Jedoch: Wer Begriffe dieses heroischen Freiheitskampfes heute in der
Agitation gegen eine Kürzung der Sozialhilfe verwendet, begeht miese
Geschichtsfälschung. Wären die Demonstranten - Kommunisten, die
unvermeidliche Spätpubertätstruppe "Attac", einige echte Opfer sowie
einsickernde Rechtsextreme - wären sie wirklich "das Volk", dann
brauchen sie heute nicht mehr Leben und Freiheit zu riskieren. Sie
müssten nur bei Wahlen antreten und die Mehrheit erringen.
Um danach ihren Traum vom Weiterwuchern des Wohlfahrtsstaates zu
realisieren, benötigen sie freilich noch etwas: eine
Gelddruckmaschine, die den ganzen Spaß finanziert. Die deutschen
Geschichtsfälscher erinnern an die österreichischen
Donnerstagsdemonstranten: Diese haben sich in einem ähnlichen
geistigen Diebstahl die Symbole des - wohl noch heldenmütigeren -
Widerstands gegen den Nationalsozialismus, etwa das "O5", angeeignet.
Begriffliche Sensibilität wird von linken Agitateuren immer nur bei
den anderen eingefordert. Hunderte Wörter haben sie schon als
angebliche Wiederbetätigung oder Rassismus auf den Index der
politischen Unkorrektheit gesetzt. Spricht ein österreichischer
Sozialdemokrat hingegen wiederholt verächtlich von "Negern", dann
findet in der ganzen SPÖ aber niemand etwas dabei. Wer die Lufthoheit
über die Sprache hat, der hat auch die Macht, willkürlich über Gut
und Böse zu entscheiden.

OTS0140    2004-08-09/17:45

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