Landau: "Was ich im Sudan gesehen habe, hat mich tief erschüttert"

Caritas: Schnelle Hilfe ist jetzt doppelte Hilfe

Wien (OTS) - "Wir müssen jetzt handeln, sonst ist der Tod
tausender Kinder, Frauen und Männer nicht zu verhindern", der Wiener Caritasdirektor Michael Landau appelliert nach einer Reise durch den Westsudan an die Hilfsbereitschaft der Österreicherinnen und Österreicher.

Flüchtlingselend, Mord und Plünderungen

1,2 Millionen Menschen sind in der Region auf der Flucht. Landau berichtet von Müttern mit kleinen Kindern, deren "Zelt" aus ein paar Ästen, Stoff und Plastikresten bestand, ein Zelt, das in den kommenden Wochen der Regenzeit kaum Schutz bieten wird. Die politische Situation ist mehr als unsicher, macht Landau deutlich:
"Den Menschen in der Region sind durch Kampfhandlungen, Brandschatzungen und Plünderungen auch die Lebensgrundlagen entzogen worden - von den Toten und den Vergewaltigungen gar nicht zu reden. Felder und Ernte wurden zerstört, Brunnen zugeschüttet, Tiere und landwirtschaftliche Geräte gestohlen. Die Bauern haben die Zeit zur Aussaat vor der Regenzeit nicht nützen können. Auch für den kommenden November ist daher keine Ernte zu erwarten.
Im besten Fall, sollten die Betroffenen noch zur nächsten Aussaat im Mai/Juni 2005 in ihre Dörfer zurückkehren können, wird es erst im November 2005 wieder eine eigene Ernte geben. Wir müssen uns also darauf einstellen, dass Hilfe mit Ausdauer nötig sein wird."

Hilfe aus Österreich kann Leben retten

Landau zeigt sich überzeugt: "Wir dürfen auf die Menschen im Sudan nicht vergessen. Und ich bin überzeugt: Wir können diesen Menschen helfen, auch wenn die Hilfe manchmal schwierig und herausfordernd sein wird. Die Hilfe aus Österreich kann Leben retten." Ein Einschätzung die der für die Auslandsarbeit in der Österreichischen Caritaszentrale zuständige Generalsekretär Franz Karl Prüller unterstreicht.

Caritas Generalsekretär Prüller: "Schnelle Hilfe ist jetzt doppelte Hilfe"

"Die Menschen warten seit Wochen, viele schon seit Monaten auf Hilfe. Vor allem sauberes Wasser, Lebensmittel, Medikamente und ein Dach über dem Kopf brauchen die Menschen im Sudan nun dringend", weiß Caritas-Generalsekretär Franz Karl Prüller. "Jetzt, wo die Regenzeit begonnen hat und heftige Wolkenbrüche auf der Tagesordnung stehen, müssen die Menschen immer noch in notdürftig zusammengebastelten Hütten aus Zweigen, alten Kleidern und Strohmatten hausen."

Die Caritas hilft hier, gemeinsam mit lokalen Hilfsorganisationen und den protestantischen Kirchen mit einfachen, aus Bambusstangen und Palmmatten errichteten Häusern oder stellt zumindest Plastikplanen zur Verfügung. Prüller: "Für 100 Euro kann bereits eine dauerhaft regensichere Unterkunft für eine Familie geschaffen werden."

Allein 40 erfahrene, internationale Mitarbeiter der Caritas- und Diakonieorganisationen sind derzeit in der Krisenregion im Einsatz. Sie versorgen tausende Menschen mit Essen, Wasser, Hausrat, Medikamenten und einem Dach über dem Kopf oder bauen Latrinen, um die drohende Seuchengefahr einzudämmen - im Kampf gegen die Zeit. In Nyala, der Hauptstadt Süddarfurs, haben Caritas und Diakonie ein großes Verteillager für Hilfsgüter errichtet.

"Schnelle Hilfe ist jetzt doppelte Hilfe", so Prüller. Denn: "Die Regenzeit verwandelt Rinnsale in reißende Flüsse. Die Nachschubwege drohen bereits unpassierbar zu werden." Um zumindest den Kindern in all dem Elend ein Stückchen Normalität zu sichern, errichtet die ökumenische Hilfskoalition auch Schulen und stellt Lehrmaterial zur Verfügung. Prüller: "Im Lager Umgozen (in Mershing, ca. 80 km nördlich von Nyala) gehen bereits wieder 750 Kinder in die Schule. Trotz ihrer bedrückenden Lage strahlten sie eine gewisse Zuversicht aus und die Gewissheit, dass es wieder besser werden kann", erinnert sich Prüller an seine Reise.
"Wenn wir gemeinsam anpacken können wir viele Menschenleben retten", appelliert Prüller abschließend an die österreichische Bevölkerung, der Caritas, der Diakonie und anderen Hilfsorganisationen beim Helfen zu helfen.

Landau: Sudan-Hilfe eine Herausforderung der sich Österreich stellen muss

Für Landau ist nicht nur die Bündelung der Kräfte aller Hilfsorganisationen wichtig, wie sie durch "Nachbar in Not" nun vorbereitet wird, er appelliert auch an die Bundesregierung "einen substantiellen Beitrag zur Hilfe für die Menschen im Sudan zu leisten." Wenn bisher von 200.000 Euro an Hilfe über das Außenamt die Rede war, halte er Landau, "eine wesentliche Erhöhung dieses Beitrages im Blick auf die konkrete Not der Menschen für unumgänglich. Wer zögert, der riskiert, dass Menschen sterben. Was ich in den vergangenen Tagen gesehen habe, hat mich tief erschüttert."

Landau erinnert in diesem Zusammenhang auch daran, dass frühere Bundeskanzler die Aktion "Nachbar in Not" in besonderer Weise unterstützt haben, nämlich durch die Übernahme der Administrativkosten in der Höhe von 4Prozent der gesammelten Summe. "Ich hoffe, dass auch der gegenwärtige Bundeskanzler diese humanitäre Tradition fortsetzen wird."

Zugleich ist Landau aber zuversichtlich: "Ich erinnere mich außerordentlich dankbar an die Hilfsbereitschaft der Österreicherinnen und Österreicher bei früheren Katastrophen im Ausland, aber auch beispielsweise zur Zeit des Hochwassers im Inland. Als Caritas wissen wir: Die Menschen in unserem Land sind sehr hilfsbereit. Die Österreicherinnen und Österreicher haben stets dort geholfen und wurden aktiv, wo Menschen in Not waren und sind.
Ich bin überzeugt, das wird auch jetzt in Darfur wieder der Fall sein."

Die Caritas Österreich hat für Nothilfeprogramme im Sudan bis jetzt insgesamt 250.000 Euro eingesetzt bzw. zur Disposition bereitgestellt. Jeder weitere Euro hilft, das Überleben von Kindern, Frauen und Männern zu sichern.

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Peter Wesely
Pressesprecher Caritas der Erzdiözese Wien
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