"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der private Konsum hat als Konjunkturmotor ausgespielt" (von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 06.08.2004

Graz (OTS) - Manche Manager schwören darauf. Antizyklisch investieren lautet ihre Devise, das heißt nichts anderes als exakt dann "zuschlagen", wenn totale Flaute herrscht. Die Vorteile liegen auf der Hand, sofern genügend Geld vorhanden oder billig zu haben ist: Man kann in Ruhe aussuchen, das Angebot ist groß, die Lieferzeit kurz, und mangels Nachfrage kann man mit Lieferanten über Preise deutlich besser verhandeln als wenn Käufer Schlange stehen.

Würden hierzulande nicht nur Manager sondern auch Konsumenten so denken, hätte die Wirtschaft ein Problem weniger und die Konjunktur einen dicken Impuls mehr. Denn zumindest bei größeren Anschaffungen ist derzeit der Kunde König. Doch der will nicht so, wie es die Wirtschaftsexperten gerne hätten. Im Klartext: Der private Konsum lässt deutlich zu wünschen übrig.

Überraschen dürfte das niemanden, ja es wäre sogar ein Wunder, wenn die Österreicher angesichts der Pensionsproblematik die Konsumtempel stürmen würden. So wird derzeit vielerorts mehr geschaut als gekauft und das Geld in die private Vorsorge gesteckt. Denn die Pensionen -und das ist die einzige Gewissheit - werden dürftiger denn je ausfallen.

Aber nicht nur die privaten Haushalte lassen als fleißige Konsumenten aus, auch Vater Staat. Mit knapp 37 Milliarden Euro pro Jahr (das ist rund ein Drittel der privaten Ausgaben) sind die Staatsausgaben seit Jahren praktisch "eingefroren", das jahrzehntelang geübte Prinzip des Schuldenmachens gilt nicht mehr.

Während die Ausgabenpolitik des Staates vom Diktat der leeren Kassen und der Parole vom Nulldefizit bestimmt wird, verfügen die privaten Haushalte in Summe mit 311 Milliarden Euro über ein beträchtliches Finanzvermögen, was die Wirtschaftsforscher - Pensionskrise hin, Pensionskrise her - doch einigermaßen optimistisch stimmt. Viele Investitionen, lautet der Tenor, seien in den letzten Monaten und Jahren "aufgestaut" bzw. zurückgestellt worden. Der Autokauf ist nur aufgeschoben und nicht aufgehoben worden. Über kurz oder lang würde doch wieder mehr konsumiert, wenngleich die gute (?) alte Zeit, in der Konsum die Konjunktur beflügelt hat, nicht so bald zurückkehren dürfte.

Dafür sorgen nicht nur die weiter anhaltende Pensionsdebatte sondern auch die schlichte Tatsache, dass wir im Vergleich zu jenen Ländern, in denen der Konsum floriert, im Schnitt schon sehr wohlhabend sind. Und antizyklisches Investieren für viele Leute also nur eine Möglichkeit, aber kein Muss ist. ****

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