Maier: Babynahrung - Kontrollen in Österreich um 71 Prozent gesenkt!

AGES verschweigt Untersuchungsergebnisse - Namen nicht verkehrsfähiger Babynahrung wird nicht bekanntgegeben!

Wien (SK) Schwere Informations- und Analyselücken sieht SPÖ-Konsumentenschutzsprecher Johann Maier bei der Kontrolle von Säuglingsnahrung in Österreich. Dies ergibt sich aus einer Parlamentarischen Anfragebeantwortung durch die Gesundheitsministerin. Absolut bedenklich und mit allem Nachdruck abzulehnen ist die Reduzierung der Probenziehungen und Analysen um über 70 Prozent. Wurden 2002 noch 356 Proben Säuglingsnahrung untersucht, sank diese Zahl 2003 auf 195 Proben, für das laufenden Jahr wurde die Zahl auf 100 reduziert. "Dies ist in Anbetracht der möglichen gesundheitlichen Folgen für unsere Kleinsten schlichtweg unverantwortlich", betonte Maier. ****

Aus Testberichten europäischer Verbraucherorganisationen und Medienberichten ist leicht herauszulesen, dass Babykost immer wieder als mangelhaft und nicht verkehrfähig, ja sogar als gesundheitsschädlich beurteilt werden muss. Nitrate, Pestizide (z.B. Chlormequat), Schwermetalle, Acrylamid und Bakterien wurden durch Analysen nachgewiesen. Vom österreichischen Gesundheitsministerium bzw. der AGES sind in den letzten Jahren allerdings keine besonderen Maßnahmen bei Säuglingsnahrung nach dem Lebensmittelgesetz wie beispielsweise Beschlagnahme bei Grenzwertüberschreitungen bekannt geworden. Bekannt ist allerdings, und dies wird auch durch das Ministerium bestätigt, dass es in letzten Jahren zu Grenzüberschreitungen kam und Säuglingsnahrung nicht verkehrsfähig war, so der SPÖ-Abgeordnete.

"Nicht auszuschließen ist, dass die hochheitlichen Aufgaben der AGES deswegen vernachlässigt wurden und werden, weil in der AGES ein Schwerpunkt auf die privatwirtschaftliche Seite (Aufträge von Dritten aus der Privatwirtschaft) gelegt wurde. Auch der Rechnungshof hat diese privatwirtschaftliche Orientierung heftigst kritisiert", sagte Maier.

Unverständlich ist auch die Unternehmenslinie der AGES, sogenannte "Routineproben" bevorzugt bei österreichischen Erzeugern und Importeuren (Produkte aus Drittstaaten) zu ziehen. "Letztendlich heißt dies, dass Säuglingsnahrung, die in anderen EU-Mitgliedstaaten hergestellt wird, z.B. Italien, Frankreich, Spanien, Tschechien, von den Probenziehungen im Handel nicht mehr erfasst sind und diese in Österreich nicht mehr auf Rückstände untersucht werden - eine untragbare Situation", so der SPÖ-Konsumentenschutzsprecher, da gerade nach der Pestiziddiskussion der letzten Tage die Analysequalität von Untersuchungsanstalten in anderen Mitgliedsstaaten hinterfragt werden muss.

Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) versicherte in ihrer Antwort, dass Babymilchprodukte stichprobenartig geprüft und kontrolliert werden. Und zwar auf "Gesundheitsschädlichkeit, Verdorbenheit, Verfälschung, falsche Bezeichnung und Wertminderung". Keine Antwort erhielt Maier auf die Frage, auf welche Stoffe in den letzten Jahren die Proben untersucht wurden. Maier kritisierte auch, dass die Öffentlichkeit und die Eltern von der AGES nicht über nachgewiesene Grenzwertüberschreitungen (z.B. bei Pestiziden) informiert werden, während einzelne Lebensmittelhersteller dies sehr wohl veröffentlichten.

Im Jahr 2002 wurden in der AGES 356 Proben der Produktgruppe "Kindernährmittel" untersucht, im Jahr 2003 wurden in der AGES 195 Proben dieser Produktgruppe untersucht.

Im Jahr 2002 wurden in der AGES 356 Proben der Produktgruppe "Kindernährmittel" untersucht, davon wurden wie folgt beanstandet: 6 verdorben, 34 Lebensmittelkennzeichnungsverordnung, 14 Beikostverordnung (11 Proben auf Chlormequat), 1 verfälscht (LMG) und Richtlinie A 8 (Bio) und SchäHö-VO (Schädlingsbekämpfungsmittelhöchstwerte-Verordnung) (Chlormequat), 2 SchäHö-VO (Chlormequat), 1 Wertgemindert (Geruch). Im Jahr 2003 wurden in der AGES 195 Proben der Produktgruppe "Kindernährmittel" untersucht, davon wurden wie folgt beanstandet: 11 Verdorben (Bakt), 2 Beikostverordnung, 11 Lebensmittelkennzeichnungs-Verordnung, 1 falsch bezeichnet.

Weder für 2002 noch für 2003 oder 2004 erfolgten Informationen durch das Bundesministerium, auf welche Stoffe (Parameter) tatsächlich untersucht wurde. Auch die festgestellten Schadstoffe wurden -ausgenommen Chlormequat im Jahr 2002 - nicht bekannt gegeben. "Natürlich wurden auch die Produktnamen verschwiegen", so Maier.

"Es ist höchst an der Zeit zu handeln." Darüber hinaus forderte Maier abschließend mehr finanzielle Mittel vom Finanzministerium für die AGES, eine Erhöhung der Probenanzahl und die Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse mit Namensnennung. (Schluss) wf/mp

Rückfragen & Kontakt:

Pressedienst der SPÖ
Tel.: (++43-1) 53427-275
http://www.spoe.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK0013