Ärztekammer fordert verpflichtende Partikelfilter für Dieselfahrzeuge

Brettenthaler: Überfällige Maßnahme zur Vermeidung von Krankheiten - 1.447 "Diesel"-Tote pro Jahr - Deutschland setzt nachahmenswerten Schritt

Wien (OTS) - Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Reiner Brettenthaler, forderte Montag anlässlich der vergangenes Wochenende bisher größten durch Österreich rollenden Sommerreisewelle von der Bundesregierung nachhaltige Maßnahmen gegen den steigenden Schadstoffausstoß von Dieselfahrzeugen.
In Anbetracht der "gewaltigen Gesundheitsgefahr, die mit Dieselemissionen, insbesondere durch den Schwerverkehr verbunden sind, sind gesetzliche Regelungen seit langer Zeit überfällig", sagte Brettenthaler in einer Aussendung. Die zunehmende Verkehrsbelastung führe durch den steigenden LKW- und PKW-Verkehr zu enormen Feinstaub-und Stickoxid-Ausstößen. Der verpflichtende Einbau von Partikelfiltern für neue Dieselfahrzeuge sowie steuerliche Erleichterungen auch für die nachträgliche Aufrüstung seien notwendige Maßnahmen, die von der Bundesregierung jetzt umzusetzen seien. Darüber hinaus postulierte der Ärztepräsident ein österreichweites Messnetz zur laufenden Beobachtung des Partikelproblems und vorübergehende Fahrverbote für Dieselfahrzeuge bei Überschreitung der Grenzwerte.

Der Ärztepräsident verwies in diesem Zusammenhang an ein zwischen dem deutschen Bundeskanzler, Gerhard Schröder, und der Automobilindustrie getroffenes Überkommen, wonach neue Dieselfahrzeuge in Hinkunft verpflichtend mit Rußpartikelfiltern auszustatten seien. Gleichzeitig hatte der deutsche Bundeskanzler Steuererleichterungen für alte und neue Autos mit Partikelfiltern ab Jahresbeginn 2005 angekündigt.

Der ÖÄK - Umweltreferent, Gerd Oberfeld, betonte, dass die Umweltmediziner seit 1995 auf das explodierende Partikelproblem aufmerksam gemacht und effiziente Gegenmaßnahmen empfohlen hätten. Oberfeld: "Dieselabgase sind aggressive geruchsintensive Schadstoffe. Neben Stickstoffoxiden sind es die sehr feinen Rußteilchen, die krank machen können. Dieselmotoren stoßen etwa 1000-mal mehr dieser Teilchen, die sich in den kleinsten Verzweigungen der Lunge absetzen, aus als Benzinmotoren." Dieselbelastungen könnten zu Husten, Infekten der oberen und unteren Luftwege, Bronchitis, Asthmaanfällen, Heuschnupfenbeschwerden, Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, Lungenkrebs und erhöhter Sterblichkeit führen. Der Experte quantifizierte anhand der WHO-Studie (Health Costs due to Road Traffic-related Air Pollution, Drei-Länder-Studie für Österreich, Deutschland und Schweiz) sowie aktueller Untersuchungen des Umweltbundesamtes in Deutschland die gesundheitsrelevanten Folgen der Dieselabgase für Österreich:

Dieselabgasbedingte Krankheits / Todefälle Anzahl pro Jahr Todesfälle bei über 30 jährigen 1.467 Krankenhausaufnahmen wg. Atemwegserkrankungen 882 Krankenhausaufnahmen wg. Herz- Kreislauferkrankungen 1.737 Tage eingeschränkter Aktivität 806.023 chronische Bronchitis Erwachsene 1.598 Bronchitis Kinder 12.364 Asthmaanfälle Erwachsene 24.290 Asthmaanfälle Kinder 8.994

Das bedeute volkswirtschaftliche Kosten in der Höhe von 1,7 Milliarden Euro pro Jahr. Die Reduktion der Dieselabgase zähle weltweit zu den wichtigsten lufthygienischen Maßnahmen, so der Umweltmediziner. "Es ist bedauerlich und zeigt von einem relativ unsensiblen Umgang mit Umweltfragen, dass Österreich erst am Beginn dieser notwendigen Entwicklungen steht", sagte Oberfeld abschließend.

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