"Kleine Zeitung" Kommentar: "Vor UNO-Sanktionen hat das Regime im Sudan keine Angst" (von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 30.07.2004

Graz (OTS) - Wieder werden in Afrika Zehntausende massakriert, wieder droht Hunderttausenden der Hungertod - und wieder schaut die Welt ziemlich hilflos zu. Der politische Druck auf das Regime im Sudan hat zwar in den letzten Tagen zugenommen. Aber der lässt Präsident Omar al Bashir, den Despoten, der Afrikas größtes Land mit seiner Clique ausbeutet, kalt.

Denn er weiß ganz genau: UN-Sanktionen, so sie überhaupt zustande kommen und nicht am Veto von Russland oder China im Sicherheitsrat scheitern, würden auch im Sudan nicht ihn, den Machthaber treffen, sondern vor allem das Volk. Angst müsste er nur haben, wenn der internationalen Drohgebärde auch militärische Aktionen folgen könnten.

Aber da hat US-Außenminister Colin Powell schon abgewunken und von "unkalkulierbaren Risiken" gesprochen. Die Staatengemeinschaft, im Irak, in Afghanistan und auf dem Balkan ohnedies militärisch überbeschäftigt, wäre derzeit nicht in der Lage so viele Soldaten in den Sudan zu entsenden, dass man das Regime zur Abkehr seiner Unterdrückungs-Politik zwingen könnte.

Die sudanesischen Machthaber behandeln die Dafur-Region seit Jahrzehnten, wie alle anderen peripheren Gegenden des Landes: als Rohstoffquelle. Die Menschen in diesen Gebieten - afrikanische Ethnien - stehen der Ausbeutung im Weg.

Dazu kommt, dass der Sudan wie so viele Staaten in Afrika ein Konstrukt der britischen Kolonialherren ist, die zusammen zwängten, was nicht zusammen passt. Denn quer durch den Sudan verläuft die Schnittstelle zwischen der arabisch-islamischen Kultur einerseits und der afrikanischen, die animistisch und christlich geprägt ist. An diesem Konflikt könnte das Regime in Khartum wohl viel eher zerbrechen als an Sanktionen. Denn wenn nun ausgehend von Dafur der Unmut auch in anderen Randgebieten wächst, wenn auch der Süden, der sich erst vor kurzem mit Bashir arrangiert hat, wieder auf Konfrontationskurs geht, droht eine "Somalisierung" oder "Kongolisierung" des Sudan, sein Zerfall in Stammesgebiete.

Davor müssen nicht nur die Machthaber Angst haben, sondern auch internationale Firmen. Den Unternehmen aus Frankreich, Großbritannien, China und Malaysia haben erst vor wenigen Tagen mit Diktator Bashir mit großem Pomp einen Milliardenvertrag zum Ausbau des Öl-Geschäfts abgeschlossen.

Das Regime bietet günstige Konditionen - und es findet willige Partner in aller Welt. Der Massenmord in Dafur hat daran nichts geändert. ****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001