"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Auf Super-Talfahrt" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 30.07.2004

Wien (OTS) - Hunderttausend Privatanleger will die Quadriga-Investmentgruppe heuer am Jahresende als Kunden haben. Sie sollen zwecks "langfristigem Vermögensaufbau" einen der hochspekulativen "Superfunds" kaufen, wünscht sich Quadriga-Gründer Christian Baha.
Ein simpler Vergleich zeigt, dass der ehemalige Polizist ein ehrgeiziges Ziel vor Augen hat: Ende 2004 wollen die heimischen Versicherungen alle zusammen gerade einmal 400.000 bis 450.000 steuerbegünstigte Prämienpensionen unters Volk gebracht haben - mit niedrigeren Gewinnchancen, aber auch mit unvergleichlich geringerem Risiko.
Eines muss den Superfund-Anlegern klar sein: Die Gefahren sind enorm. Wer erst heuer sein Geld in diese Fonds gesteckt hat, kann davon ein Lied singen: Minus 20 Prozent beim Superfund A (Mindestanlagevolumen 1000 Euro), minus 28 Prozent beim Superfund B (ab 10.000 Euro) und minus 38 Prozent beim Superfund C (ab 100.000 Euro) tun weh. Zur Super-Talfahrt kommen Super-Gebühren. Bei jeder Einzahlung werden erst einmal ein Prozent Gesellschaftssteuer und je nach Höhe drei bis sieben Prozent Agio abgezogen. Von tausend Euro bleiben als echte Geldanlage also gerade einmal 925,33 Euro übrig, und dann fallen auch noch regelmäßige Managementgebühren an.
Die hohen Kosten sind erklärlich: Irgendwo müssen ja die Sponsorgelder für den Fußballklub Pasching, für den Eishockeyklub "Superfund Black Wings" in Linz und für die Autorennen in der Superfund-Formel 3000 herkommen. Niki Lauda arbeitet erfahrungsgemäß auch nicht gratis als Werbeträger, macht allerdings möglicherweise einen Freundschaftspreis, verdient sich sein Sohn Mathias doch in der Formel 3000 gerade seine ersten Sporen.
Das Superfund-Konzept ist scheinbar simpel: Ein angeblich geniales Computerprogramm berechnet die optimalen "Wetteinsätze", denn um nichts anderes handelt es sich bei solchen Hedgefonds: Der Anleger wettet auf bestimmte Kursentwicklungen. Der Computer steht übrigens auf der Karibikinsel Grenada, die Orders laufen über Chicago und Firmensitz ist Monte Carlo. Irgendwo ist hoffentlich auch das Geld der Anleger - angeblich bisher insgesamt eine Milliarde Euro. Besonders gut kontrollierbar ist all das nicht, zumal die Superfunds in Form von Genussscheinen verkauft werden.
Der deutschen Finanzmarktaufsicht ist das Treiben denn auch schon etwas zu bunt geworden: Die Genussrecht-Produkte werden seit Anfang der Woche in Deutschland nicht mehr verkauft. Auch in Österreich will die Finanzmarktaufsicht künftig ein aufmerksames Auge auf die verwinkelten und bislang unkontrollierten Konstruktionen von Quadriga/Superfund werfen.
Schaden kann das nicht. Die Gier mancher Anleger nach Supergewinnen trübt mitunter den Blick für die damit verbundenen Risiken. Man kann nur hoffen, dass sie nicht erst durch Schaden klug werden.

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