PRÖLL: WIR MÜSSEN GEMEINSAM DEM KLIMAWANDEL AKTIV GEGENSTEUERN

Zwischenbilanz der Aktivitäten des Lebensministeriums zum Klimaschutz

Wien (OTS) - Die Folgen des globalen Klimawandels sind schon jetzt spürbar. Allein in den letzten 100 Jahren ist in Österreich die Durchschnittstemperatur um 1,8 Grad Celsius und damit mehr als doppelt so stark wie im globalen Mittel gestiegen. In Rekordtempo verschwindende Gletscher, viel zu kalte Sommer mit extremen Gewittern in Österreich, Starkregen, Hagel und Tornados wie heuer in Deutschland oder Hitzewarnungen in Italien und Frankreich sind ein Indiz für das immer rascher wechselnde und unberechenbare Wettergeschehen. Eine nachhaltige Klimaschutzpolitik auf allen Ebenen - national, EU-weit und international ist daher unabdingbar. Das erklärte Umweltminister Josef Pröll heute, Donnerstag, anlässlich einer klima:aktiv Wanderung mit der Salzburger Landesrätin Doraja Eberle und Umweltdachverbands-Präsident Gerhard Heilingbrunner im Nationalpark Hohe Tauern entlang der Pasterze vor Journalisten.****

Wie wichtig es auch ökonomisch ist, vorsorgenden Klimaschutz zu betreiben, zeigen die Wetterextreme der beiden letzten Jahre in Österreich. Der Sommer 2003 hat der EU-Landwirtschaft Einkommensverluste von 10 Milliarden Euro beschert. In Österreich haben die Folgekosten des Hochwassers 2002 deutlich das Wirtschaftswachstum des gesamten Jahres übertroffen.

Aktuelle Studien sprechen ebenfalls drohende wirtschaftliche Folgen des Klimawandels an. Die sensiblen Alpenregionen reagieren besonders rasch auf die globale Erwärmung. Die Perioden mit geschlossener Schneedecke sind um gut zwei Wochen kürzer geworden. Damit verkürzt sich die Wintersaison für die Tourismuswirtschaft. Die Eismassen der Gletscher schwinden so deutlich, dass der Unterschied zu früher mit freiem Auge sichtbar ist. Mittelfristig entsteht damit für die Energieversorger ein Problem bei Speicherkraftwerken. In der Forstwirtschaft konnten im heißen Sommer 2003 in einigen Gegenden bei den Borkenkäfern bis zu vier Brutzyklen festgestellt werden, was eine enorme Zunahme des Schadholzes bedeutet. Insgesamt wird prognostiziert, dass der Schädlingsdruck durch neu eingewanderte Arten weiter steigen wird.

Die Österreichische Strategie zum Klimaschutz wird Schritt für Schritt umgesetzt

Das Lebensministerium verfolgt eine von Bund und Ländern getragene Klimastrategie, mit der wir unsere Klimaschutzziele erreichen können. Einer der Kernpunkte ist die konsequente Ausrichtung der Österreichischen Umweltförderung auf Klimaschutzziele. Heuer werden bereits rund 90 Prozent der Umweltförderung im Inland klimarelevant eingesetzt. Damit können voraussichtlich Projekte mit einem geschätzten Investitionsvolumen von 240 Millionen Euro realisiert werden. Die Schwerpunkte liegen bei Biomasse-Nah- und Fernwärme, Biomasseheizanlagen, Solaranlagen, Energieeffizienzmaßnahmen, Revitalisierung von Kleinwasserkraftanlagen, Methanvermeidung und energetischer Nutzung von Abfällen sowie betrieblichen Mobilitätsmaßnahmen. Auch die JI/CDM-Klimaschutzprojekte in anderen Industriestaaten (Joint Implementation) und in Entwicklungs- oder Schwellenländern (Clean Development Mechanism) spielen eine immer bedeutendere Rolle.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die geplante 15a-Vereinbarung mit den Ländern zur Ausrichtung der Wohnbauförderung nach klimarelevanten Kriterien. Sie wird ein wichtiger Bestandteil der bevorstehenden Finanzausgleichsverhandlungen sein. Ein weiterer Eckpunkt ist die Änderung der Kraftstoffverordnung zur Beimischung biogener Treibstoffe zu fossilen Kraftstoffen, die derzeit in Begutachtung ist. Damit kann nach Berechnungen des Umweltbundesamtes rund eine Million Tonnen CO2 eingespart werden. Gute Arbeit haben wir auch mit dem Emissionshandelsgesetz geleistet, dessen nationaler Zuteilungsplan von Emissionszertifikaten an die Industrie für die erste Handelsperiode (2005-2007) kürzlich von der EU-Kommission gebilligt wurde und sicherstellt, dass österreichische Unternehmen ab 2005 am europaweiten Emissionshandel teilnehmen können.

Klimaschutzmaßnahmen werden aber nur dann erfolgreich sein, wenn sie nicht nur in Gesetzen und Verordnungen festgeschrieben werden, sondern wenn die Menschen bereit sind, Klimaschutzziele auch zu leben. Jeder Einzelne kann und muss einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, im täglichen Leben, beim Einkaufen, beim Autofahren, beim Heizen, bei der Urlaubsplanung oder beim Wohnbau.

klima:aktiv - das Programm für saubere Luft und kostbare Natur

Mit klima:aktiv versuchen wir die Lücke zwischen vorhandenen Technologien und Anwendern zu schließen sowie das Bewusstsein für klimafreundliches Handeln bei jedem Einzelnen zu schärfen.

Bereits im März 2004 wurde gemeinsam mit unserem klima:aktiv-Partner ÖBB der Kyoto-Express als Botschafter für den Klimaschutz auf die Schienen gestellt, der für die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs beim Schutz des Klimas steht. Mit der Österreichischen Hagelversicherung wurde eine gemeinsame Kampagne zum Thema "Regionaler Einkauf" unter dem Titel "Halte unser Klima rein, kauf bei unsern Bauern ein" durchgeführt. Derzeit läuft die "Willkommen Österreich Sommertour", die bis Ende August Klimaschutzmaßnahmen von der energieautarken Alm bis zur Solarfähre vorstellt.

Noch im August starten wir gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich (Fachverband der Fahrschulen) einen Spritsparwettbewerb für FahranfängerInnen, um die Vorteile einer ökonomischen Fahrweise (eco:driving) für Umwelt und Brieftasche erfahrbar zu machen.

klima:aktiv das Aktionsprogramm für Professionisten

Um die Marktchancen klimafreundlicher Technologien in den Sektoren Bauen und Wohnen, Mobilität, Betriebe, Stromsparen und erneuerbare Energie zu verbessern, zielt das Aktionsprogramm klima:aktiv auf Professionisten wie Maurer, Zimmerer, Installateure, Rauchfangkehrer, Klein- und Mittelbetriebe, Wohnbaugenossenschaften und Architekten. Wir setzen gezielt die notwendigen Impulse, um mit langfristig angelegten Beratungs-, Ausbildungs- und Qualitätssicherungsmaßnahmen klimaschonende Technologien und Dienstleistungen als selbstverständliche Alternative für Unternehmen, Wohnbauträger, Professionisten und schließlich auch für jede Österreicherin und jeden Österreicher am Markt zu platzieren. Dafür stehen bis 2012 jährlich drei Millionen Euro zur Verfügung. Mit den sechs Startprogrammen von klima:aktiv soll ein Reduktionspotenzial von zumindest einer Million Tonnen CO2 angesprochen werden.

"Ich bin überzeugt, dass diese Anstrengungen Österreich wieder auf Kyoto-Kurs bringen werden. 2004 wird das Jahr sein, in dem wir die Trendwende schaffen", schloss Pröll.

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