NÖ Industriekonjunktur im leichten Sommerloch

Konjunkturbarometer stagniert beim Wert von +15,5 - Gute Konjunktur bzw. Erwartungen bei Stahlbau-, Elektro-, Stein- und keramischer sowie Chemischer Industrie

Wien (OTS) - Das Konjunkturklima für Niederösterreichs Industrie ist wie der Sommer: Oft wolkig und kühl, Regenschauer, wenig Sonne -so fallen kurz zusammengefasst die Einschätzungen der heimischen Betriebe für das 2. Quartal 2004 aus.
Mag. Norbert Zimmermann, Generaldirektor der Berndorf AG und Präsident der IV-Landesgruppe Niederösterreich stellte gemeinsam mit Landesgeschäftsführer Dr. Fritz Wedorn die Ergebnisse am Donnerstag, 29. Juli, in St. Pölten vor.
Zimmermann analysierte die Gründe für die gegenüber dem Bundestrend in Niederösterreich nur schleichende Erholung der Konjunktur:
"Probleme für die Unternehmen machen aktuell Engpässe bei den Rohstoffen und gerade für exportorientierte Unternehmen der harte Euro." Nach wie vor eine Wachstumsbremse sei die schlechte Lage in Deutschland, da viele niederösterreichische Unternehmen stark am Exportmarkt Deutschland hängen.

Aktuell stagniert das Niederösterreichische Konjunkturbarometer etwa bei +15,5 mit leicht fallender Tendenz und liegt damit unter dem Bundesdurchschnitt von rund +27. "Das ,Ost-Geschäft’ - vor allem in die neuen EU-Mitgliedstaaten - erweist sich für viele als Rettungsanker. In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu sichern und zu stärken. Genau deshalb müssen wir über eine Flexibilisierung - und teilweise auch Erhöhung - der Arbeitszeit diskutieren. Bei hohen Umweltstandards und ausgezeichneten Sozialstandards müssen die Rahmenbedingungen bei Ausbildung und Flexibilität von Arbeitskräften, aber auch die Infrastruktur und ihre Kosten konkurrenzfähig sein", erklärte Zimmermann. Hoffnung machen die Erwartungen auf höhere Verkaufspreise - sie sind ein Signal für eine kommende Konjunkturerholung. Das dürfte vor allem auf die hohen Wachstumsraten in Japan, Indien und China sowie den USA zurückzuführen sein, die auch bei uns eine bessere Konjunktur einleiten können.

Die Einschätzungen der NÖ Industriebetriebe im Detail:

Die Einschätzungen der derzeitigen Geschäftslage wie des Auftragsbestandes haben sich spürbar verschlechtert: Der Saldo (immer gewichtet nach den Beschäftigten und in Prozent) fiel von 34 bzw. 29 Punkten im vergangenen Quartal auf 18. Die Auslandsaufträge sind leicht steigend: Der Saldo ist hier mit 24 ebenfalls positiv und gegenüber dem Vorquartal leicht gestiegen.

Für die nähere Zukunft sind die Aussichten sehr gemischt: In den Sommermonaten erwarten saldiert nur 7 Unternehmen eine höhere Produktionstätigkeit (dieser Wert ist damit von 27 bei der vergangenen Umfrage deutlich gefallen). Die Produktionskapazität wie auch der Beschäftigtenstand werden nach Ansicht einer Mehrzahl der Unternehmen in den nächsten 3 Monaten weiter sinken (-8 bzw. -13 im Saldo. Beide Werte liegen damit sehr deutlich unter dem österreichischen Durchschnitt - dieser beträgt nämlich +18 bzw. +6). Die Erwartung der NÖ Industrie für höhere Verkaufspreise ist dafür von 2 auf 16 im Saldo gestiegen. Die Erwartungen für die Geschäftslage in sechs Monaten haben sich etwas verbessert: Mit 13 Unternehmen im Saldo nach 11 im Vorquartal.

Weitgehend neutral, aber gegenüber dem Vorquartal fallend schätzen die Unternehmen dafür die derzeitige Ertragssituation und die in sechs Monaten ein: -7 bzw. -1 der antwortenden Unternehmen im Saldo rechnen mit einer schlechteren Lage für ihre Geschäftstätigkeit.

Die Branchenentwicklung: Sehr durchwachsenes Ergebnis

IV-Präsident Mag. Norbert Zimmermann präsentierte die wichtigsten Ergebnisse der einzelnen Branchen (immer gewichtet nach den Beschäftigten und in Prozent): Überwiegend in Hochstimmung befindet sich die Maschinen- und Stahlbauindustrie: Die derzeitige Geschäftslage, der Auftragsbestand und die Auslandsaufträge werden sehr positiv gesehen (+100), die Ertragssituation in sechs Monaten dagegen wird mit -68 deutlich schwächer eingeschätzt.
Die Einschätzungen der Elektroindustrie sind derzeit leicht positiv, dagegen werden Geschäftslage und Ertragssituation in 6 Monaten deutlich besser (+62 bzw. +54) prognostiziert.

Deutlich positiv fallen die Erwartungen der Stein- und keramischen Industrie aus: Im Saldo finden 31 bzw. 49 Unternehmen ihre Geschäftslage bzw. ihren Auftragsbestand besser, die Zukunftserwartungen in sechs Monaten sind für die Geschäftslage mit 6 und die Ertragslage mit 0 in etwa neutral. Die Auslandsaufträge sind hier von +15% auf +43% gestiegen.
Bei mittelmäßiger Lage derzeit meinen die NÖ Eisen- und Metallwarenindustrie-Unternehmen (gute Geschäftslage mit +16, schwacher Auftragsbestand bei -30), dass sie in sechs Monaten einer schwächeren Konjunktur ausgesetzt sind: Die Geschäftslage wird für diesen Zeitpunkt zwar mit 0 im Saldo neutral eingeschätzt, dafür soll die Ertragslage schlechter werden: -20 % der Unternehmen erwarten das im Saldo.

Die Nahrungs- und Genussmittelindustrie ist mit 18 Prozentpunkten im Saldo mit ihrer Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage voll im Trend. Aktuell wird die derzeitige Ertragssituation mit -89 äußerst schlecht eingeschätzt, die erwarteten Ertragssituation in sechs Monaten deutet auf einen positiven Trend hin: 54 Prozentpunkte der antwortenden Unternehmen sehen sie im Saldo steigend.
In einer guten Geschäfts- und Auftragslage befindet sich derzeit die Chemische Industrie in Niederösterreich, das meldet ein Saldo von jeweils 75 %. Wird von 25 noch die Geschäftslage in sechs Monaten als besser beurteilt, glauben saldiert 32 Unternehmen mehr, dass die Ertragssituation in sechs Monaten schlechter sein wird.

Ztl.: LKW-Maut bringt zusätzlichen Kostenschub

Dr. Fritz Wedorn präsentierte die Ergebnisse der "Sonderfrage": Im Rahmen der Konjunkturumfrage wurden diesmal die Unternehmen auch nach den Auswirkungen der LKW-Maut befragt. 19% gaben an, dass sich die Transportkosten um mehr als 500.000 Euro erhöhten, bei weiteren 18% der Unternehmen traten Erhöhungen zwischen 10.000 und 100.000 Euro auf. Die indirekten Transportkosten der Unternehmen, insbesondere die Aufwendungen für Verwaltung, Personalschulungen, etc. liegen im Schnitt bei rund 10%. Wertmäßig schwankt die Größenordnung zwischen 10.000 und 50.000 Euro. Von den Erhöhungen betroffen sind u.a. die chemische Industrie, die Eisen- und Metallwarenindustrie, Maschinen-und Stahlbauindustrie sowie Nahrungs- und Genussmittelindustrie.

Die Unternehmen wurden weiters befragt, welche Strategien gewählt wurden, um die zusätzlichen Kostenbelastungen halbwegs in den Griff zu bekommen. 40% gaben an, dass sie die Kosten vollständig an die Kunden überwälzen konnten, 16% mussten allerdings die Kostenerhöhungen selbst tragen. Als Reaktion auf die Mauteinführung wurde von den Unternehmen überwiegend Effizienzsteigerung im Bereich der Logistik angegeben. Hinzu zählt u.a. die Verringerung der Anlieferhäufigkeit, die Konzentration auf näher gelegene Beschaffungs- und Absatzmärkte sowie das gesamte Outsourcing der betriebseigenen Logistik.

Wedorn fasste die Reaktionen der Unternehmen auf die erhöhten Kosten zusammen: "Die IV-Mitgliedsunternehmen fordern deshalb umso dringender eine massive Reduktion der KFZ-Steuer, die Abschaffung oder deutliche Reduzierung der Sondermauten, vor allem aber Tarifbegünstigungen für schadstoffarme LKW. Nur so können diese Belastungen ausgeglichen werden."

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