Umweltdachverband und Alpenverein: Gipfelsturm für Klimaschutz in den Alpen!

- Die Alarmglocken läuten - Alpenkonvention jetzt anwenden! - Absoluter Schutz der Gletscher gefordert

Wien/Großglockner (OTS) - "Wir dürfen unsere alpinen Paradiese nicht wie Stiefkinder behandeln. Berge, Gletscher und alpine Kulturlandschaften brauchen unsere schützende Hand", appelliert Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes. Denn die Bedrohungen, denen diese sensiblen Ökosysteme ausgesetzt sind, sind vielfältig - eine ganz massive davon ist der Klimawandel, der die Alpenrepublik Österreich in besonders dramatischem Ausmaß betrifft.

Die Temperatur auf dieser Erde hat in den letzten 150 Jahren durchschnittlich um 0,6 Grad zugenommen, während sich die Alpen im gleichen Zeitraum um 1,8 Grad - also dreimal so stark - erhitzt haben! Die Permafrostgrenze hat sich in den letzten 100 Jahren um 150 bis 200 Meter nach oben verschoben, ein weiterer Anstieg droht. Derzeit müssen bereits 8 Schutzhütten des Oesterreichischen Alpenvereins (OeAV) wie z.B. auch die nahegelegene Oberwalderhütte als potenziell gefährdet eingestuft werden. Dadurch und durch den Rückzug der Gletscher könnten Naturkatastrophen, wie Murenabgänge, Steinschlag, Erdrutsche und Hochwasser zunehmen und auch bisher verschonte Alpenregionen bedrohen. Darüber hinaus hat der Klimawandel auch Auswirkungen auf Flora und Fauna - das regionale Aussterben verschiedener alpiner Arten, wie etwa des Schneehuhns oder der Alpendohle, und vermehrtes Einwandern und Auftreten von Schädlingen, wie etwa zusätzliche Generationen von Borkenkäfern, wird wahrscheinlicher.

Umsetzung der Alpenkonvention ist Pflicht!

"Angesichts dieses Szenarios ist es gerade im Jahr des Klimaschutzes 2004 hoch an der Zeit, in puncto Schutz unserer Alpinparadiese den Gipfelsturm zu wagen und klare Taten zu setzen", fordert Mag. Peter Haßlacher, Leiter der Fachabteilung Raumplanung/Naturschutz im OeAV. Im Konkreten heißt das: Die rascheste Ratifizierung der Protokolle der Alpenkonvention in den noch ausstehenden Vertragsstaaten und in der Folge deren konsequente Umsetzung auf nationaler und internationaler Ebene. Zum Schutz des Klimas und zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung der alpinen Täler müssen das Protokoll "Verkehr" umgesetzt und Konzepte für eine nachhaltige Verkehrspolitik realisiert werden. Alpenverein und Umweltdachverband fordern weiters, dass vor allem auch Gletscher -die Basis für Trink- und Grundwasser in vielen alpinen und außeralpinen Gebieten - vor weiterer Erschließung und Zerstörung bewahrt werden müssen. Deren Schutz gilt es dringend im Rahmen eines "Wasser-Protokolls" der Alpenkonvention zu verankern bzw. im mehrjährigen Arbeitsprogramm der Konventionsgremien umzusetzen.

Absoluter Schutz für Gletscher

Denn eines steht fest: Der Gletscherschwund in Österreich ist weiterhin dramatisch! Laut Gletscherbericht 2002/03 des OeAV sind im Untersuchungszeitraum 107 Gletscherzungen zurückgeschmolzen -Spitzenreiter dabei ist der Sexegerten Ferner in den Ötztaler Alpen mit einem Längenverlust von 73,5 Metern. Der mittlere jährliche Rückzug des Pasterzengletschers betrug zwischen 1993 und 2003 17,3 m, das mittlere jährliche Einsinken im selben Zeitraum 3,8 m! Kein Wunder, trieb doch der Rekordsommer des vergangenen Jahres vielen den Schweiß auf die Stirn - so auch den Alpen. Durch die Hitze schmolzen die Gletscher in bisher nicht gekanntem Ausmaß.

Nichtsdestotrotz hat der Tiroler Landtag am 12. Mai 2004 eine umstrittene Novelle des Tiroler Naturschutzgesetzes beschlossen - ein weiterer Anschlag auf die heimischen Eisriesen! "Es ist eine Schande, wie mit diesen hochsensiblen Ökosystemen umgegangen wird", wettert Heilingbrunner. "Mit dieser Novelle wurde ein vor 13 Jahren errungener Meilenstein in der Tiroler Naturschutzpolitik - die Unterschutzstellung der Gletscher - pulverisiert", so Heilingbrunner. Durch diese Aufweichung des Tiroler Gletscherschutzes ist für die skitechnische Erschließung weiterer neuer Gletscher Tür und Tor geöffnet. Konkret geht es etwa um den Bau neuer Lifte im Kauner- und Pitztal - würden diese Pläne langfristig verwirklicht, würden weitere noch unberührte Gebiete im Ötz-, Stubai- und Zillertal mit Sicherheit ebenfalls Gefahr laufen, buchstäblich überfahren zu werden. "Dieses Liftbauen im Kauner- und Pitztal ohne touristisches und regionalplanerisches Gesamtkonzept ist ein katastrophales Signal. Einerseits wehrt sich Tirol gegen die zunehmende Lkw- und Verkehrsflut, andererseits gibt es keine Hemmungen, in die höchsten Hochgebirgslandschaften und entlegensten Wildnisgebiete - auf das Plateau des Gepatschferner - vorzudringen. Die Erschließung der 3.526 m hohen Weißseespitze bedeutet eine neue Höhen-Dimension. Das passt in puncto Glaubwürdigkeit nicht mehr zusammen!", kritisiert Haßlacher. Das Land Tirol ignoriert damit die völkerrechtlichen Verpflichtungen mehrerer Durchführungsprotokolle der Alpenkonvention, wie etwa "Bodenschutz", "Naturschutz und Landschaftspflege" und "Tourismus". "Wir fordern österreichweit eindringlich den absoluten Schutz und die Unantastbarkeit der heimischen Gletscher", so Heilingbrunner und Haßlacher unisono.

Rückfragen & Kontakt:

Umweltdachverband
Dr. Gerhard Heilingbrunner
Tel.: 0664/38 18 462

Oesterreichischer Alpenverein
Mag. Peter Haßlacher
Tel.: 0676/84 44 53327

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