"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Ein Glaserl Prosecco" (Von Irene Heisz)

Ausgabe vom 23. Juli 2004

Innsbruck (OTS) - Das "(T)raumschiff Surprise" ist gelandet. Und der Wirbel, den dieser Kinostart auslöst, ist beispiellos in der Geschichte des deutschen Films: Es gibt keine Fernsehshow, so gut wie keine Nachrichtensendung, keine Zeitschrift und keine Zeitung, die Michael Herbigs neuem Film nicht breiten Raum böte.
Vom einzigartigen Erfolg seines Erstlings "Der Schuh des Manitu" wohl noch selbst überrascht, haben der Verleih Constantin und Herbig diesmal nichts dem Zufall überlassen und eine gigantische Maschinerie an verkaufsfördernden Maßnahmen angeworfen. Das begann bei der Auswahl des Themas für den Nachfolgefilm von "Der Schuh des Manitu", die Herbig sein mehr als geneigtes Publikum treffen ließ. Und wer den "(T)raumschiff"-Film produziert haben wollte, muss ihn sich jetzt ja wohl auch im Kino anschauen. Die Spiele zum Film sind schon auf dem Markt. Und die von Stefan Raab, einem weiteren deutschen Meister der Selbstvermarktung, produzierte Filmmusik wird seit Wochen überall rauf- und runtergespielt. Jetzt ist "Periode 1" - das beinhaltet wohl die Androhung weiterer Folgen - mit einem flächendeckenden Bombardement von Kopien in sämtlichen Kinos zwischen Buxtehude und Kufstein angelaufen.
Das beweist nicht, dass "Schuh des Manitu" ein toller Film war oder "(T)raumschiff" eine gelungene Satire ist. Das beweist bloß, dass alle Definitionsmacht beim Fernsehen liegt: was "Kult" ist, worüber man zu lachen hat, was wichtig ist. Und es zeigt natürlich Herbigs Genialität. Nicht als Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller. Aber als Inszenator einer Selbstdarstellung.
Die Kritiker äußern sich überwiegend zurückhaltend bis negativ über die auf Spielfilmlänge ausgewalzten Scherzchen einer Raumschiff-Besatzung von bayerischen Tunten. "(T)raumschiff Surprise" wird dennoch ein Erfolg werden und sehr viel Geld einspielen. Darauf kann Herbig sich in schönster Mr.-Spuck-Manier einen Prosecco gönnen.

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