"Guten Flug, Herr Ruttenstorfer!" von Angelika Kramer

Wien (OTS) - Wer nichts riskiert, kann nicht viel gewinnen das weiss auch OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer, wenn er sich dieser Tage in das Flugzeug nach Bukarest setzt, um den Vertrag über den Petrom-Kauf zu unterschreiben. Ruttenstorfer riskiert in diesem Fall besonders viel. Mit dem bislang grössten Zukauf in der Geschichte des Unternehmens holt sich der OMV-Chef nicht nur 57.000 neue Mitarbeiter fast zehn Mal so viel wie jetzt in der OMV beschäftigt sind , sondern auch Verluste von drei Millionen Euro. Was aber noch viel schwerer wiegt: das unsichere politische Umfeld in Rumänien. Erst vor wenigen Tagen hat der rumänische Wirtschaftsminister Dan Ioan Popescu 300 Millionen Euro an Investitionen am Standort Rumänien gefordert, um den Petrom-Output zu steigern erst danach soll es zu einer Reduzierung des Pesonalstandes kommen. Die 300 Millionen Euro sollen jährlich und nicht nur einmalig bezahlt werden, versteht sich. Wie lange die Zahlungen erfolgen sollen, bleibt offen. Jahrelang musste die OMV bei zahlreichen Übernahmeschlachten in Osteuropa gegen ihre Gegner den Kürzeren ziehen da wollte sie es bei Petrom nun unbedingt wissen freilich zu einem zumindest sehr hohen Preis. Satte 1,4 Milliarden Euro soll die OMV in den Zukauf stecken das ist auch für eine Erhöhung des Tankstellennetzes um 40 Prozent viel Geld. Über die Finanzierung wird sich Ruttenstorfer noch Gedanken machen müssen. Die bereits genehmigte Kapitalerhöhung deckt jedenfalls nicht einmal die Hälfte des Kaufpreises ab. Kosten für den Personalabbau noch nicht eingerechnet. Die OMV wird sich also trotz der ertragreichen vergangenen Jahre nach der Decke strecken müssen. Doch das viel grössere Problem wird tatsächlich die Eingliederung des rumänischen Kolosses in die OMV mit sich bringen. An derlei Aufgaben sind schon andere Unternehmen, allerdings bei wesentlich kleineren Zukäufen, gescheitert. Autozulieferer Eybl wurde ebenfalls in Rumänien eine herbe Lektion erteilt, auch Alexander Maculan ist seiner Ost-Expansionswut erlegen und die OMV selbst hatte schon an misslungenen Einkäufen Stichwort: Cultus und Preussag zu kiefeln. Eine Studie des Unternehmensberaters A.T.Kearney ist zum Ergebnis gekommen, dass bei Übernahmen im Osten 60 Prozent des Unternehmenswertes vernichtet werden. In diesem Sinne: Guten Flug, Herr Ruttenstorfer!

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