Erstes Halbjahr für den heimischen Einzelhandel "stürmisch"

Umsatzniveau des Vorjahres im ersten Halbjahr 2004 nicht erreicht - Rückgang der Kundenfrequenz - Lemler: "Ankurbelung der Konsumlust braucht mehr Planungssicherheit für Konsumenten"

Wien (PWK511) - "Die Umsatzentwicklung im heimischen Einzelhandel
im ersten Halbjahr 2004 erinnert an das Wetter - kalt, regnerisch, teilweise auch stürmisch", so kommentierte Erich Lemler, Obmann der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), heute, Donnerstag, vor der Presse die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria. Demnach stagnierte der nominelle Umsatz im österreichischen Einzelhandel (- 0,1 Prozent) in der ersten Jahreshälfte. Auf Grund der durchschnittlichen Preissteigerung von rund 1,1 Prozent im Einzelhandel bedeutet dies real einen Umsatzrückgang von 1,2 Prozent. Mehr Konsumlust erfordere "planbare Perspektiven - das heißt mehr Sicherheit für die Konsumenten", so Lemler im Hinblick auf Verunsicherungen der Österreicherinnen und Österreicher durch in Diskussion befindliche Themen wie Arbeitsplatz- oder Pensionssicherung.

Peter Voithofer, stellvertretender Direktor der KMU Forschung Austria, zu den Zahlen der Konjunkturerhebung: "43 Prozent der Einzelhandelsgeschäfte verzeichneten in der ersten Hälfte 2004 einen höheren Umsatz als im Vorjahr, bei rund 11 Prozent stagnierten die Erlöse; rund 46 Prozent der Geschäfte erreichten den Vorjahresumsatz nicht, wobei davon mehr als 40 Prozent - bzw. 19  Prozent aller Einzelhandelsgeschäfte - Umsatzrückgänge in der Größenordnung von mehr als 10 Prozent meldeten."

"Die Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern überstieg in der ersten Jahreshälfte 2004 jene nach kurzfristigen Konsumgütern", so Wirtschaftsforscher Voithofer. Im Ranking der einzelnen Branchen liegen im ersten Halbjahr 2004 ex aequo der Radio-/Elektro- sowie der Möbeleinzelhandel mit einem nominellen Umsatzzuwachs von jeweils 2,5 Prozent an der Spitze. Im Einzelhandel mit Eisenwaren, Bau- und Heimwerkerbedarf betrug das Plus ebenfalls mehr als 2 Prozent. Die Drogerien und Parfümerien (+ 1,7 Prozent), der Uhren- und Schmuck- (+ 1,0 Prozent), der Sportartikel- (+ 0,8 Prozent) sowie der Papier- und Bucheinzelhandel (+ 0,7 Prozent) entwickelten sich ebenfalls positiv und somit besser als der Einzelhandel insgesamt. Alle anderen Branchen mussten Umsatzrückgänge hinnehmen, wobei der sonstige Einzelhandel und der Bekleidungseinzelhandel mit einem nominellen Umsatzminus von jeweils 2,3 Prozent am schlechtesten abschnitten. Real, d.h. unter Berücksichtigung des Preiseffekts, verzeichnete der Radio-, Elektro-, EDV- und Fotoeinzelhandel mit einem Umsatzplus von 8,2 Prozent das beste Branchenergebnis. Über dem Umsatzniveau des Vorjahres lagen real auch der Möbel- (+ 1,5 Prozent), der Uhren- und Schmuck- (+ 1,2 Prozent) sowie der Sportartikeleinzelhandel (+ 0,6 Prozent). Im Einzelhandel mit Eisenwaren, Bau- und Heimwerkerbedarf kam es zu einer Stagnation. Alle anderen Branchen mussten mengenmäßige Umsatzrückgänge hinnehmen, wobei das Minus im Spielwaren- (- 5,3 Prozent) und Lederwareneinzelhandel (-4,0 Prozent) am höchsten ausfiel.

Die Auswertung nach Umsatzgrößenklassen zeige, dass im ersten Halbjahr im Durchschnitt nur Geschäfte mit einem Jahresumsatz ab zwei Millionen Euro das Umsatzniveau des Vorjahres nominell leicht übertreffen konnten. Bei den kleineren Standorten betrug das Umsatzminus zwischen 0,8 und 0,9 Prozent. Regional konnten die Geschäfte im Süden und Westen Österreichs leichte nominelle Umsatzzuwächse von 0,3 bzw. 0,2 Prozent erzielen. In den östlichen Bundesländern waren die Umsätze hingegen leicht rückläufig (nominell - 0,5 Prozent).

Die Umsatzentwicklung des Einzelhandels sei ebenso wie die rückläufige Kundenfrequenz Ausdruck einer geringen Konsumfreudigkeit, so Spartenobmann Lemler. Denn die im ersten Quartal zu beobachten gewesene geringfügige Verbesserung der Kundenfrequenz setzte sich nicht fort. Wie bereits in den Jahren bis 2003 ist der Einzelhandel mit einer im Durchschnitt sinkenden Kundenfrequenz konfrontiert. Insgesamt kamen im ersten Halbjahr 2004 um 0,7 Prozent weniger Kundinnen und Kunden in die Einzelhandelsgeschäfte als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dass der Rückgang der Kundenfrequenz da mit 2,3 Prozent deutlich stärker ausgefallen war, ist auf Grund des nunmehr geringeren Vergleichsniveaus "ein schwacher Trost". Nicht für den Rückgang der Kundenfrequenz verantwortlich gemacht werden kann laut Voithofer der Beitritt der zehn Kandidatenländer zur EU, der mit dem Wegfall der Umsatzsteuerrückvergütung verbunden ist war. Vielmehr seien laut "Global Refund" die Einkäufe von Touristen aus den EU-Erweiterungsländern in Österreich gegenüber dem Mai des Vorjahres deutlich gestiegen. Gefragt sind dabei weiterhin vor allem Markenprodukte und digitale Geräte.

Ungebrochen ist die volkswirtschaftliche Relevanz des Handels: Denn ein Drittel der österreichischen Unternehmer sind im Handel tätig. Die rund 64.000 Handelsunternehmen erwirtschaften gemeinsam einen jährlichen Umsatz in der Höhe von 156 Milliarden Euro. Der Handel zahlt mehr als 6 Milliarden Euro Umsatzsteuer, das ist die Hälfte des gesamten Umsatzsteueraufkommens. 500.000 Menschen, das ist ein Viertel aller in Österreich unselbstständig Beschäftigten, finden im Handel Beschäftigung. Gemessen an der Zahl der ausgebildeten Lehrlinge liegt der Handel unmittelbar nach dem Gewerbe auf Platz 2. (JR)

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