Greenpeace: Trotz Risiko droht Neustart im ungarischen AKW Paks

Alte wurden mit neuen Brennstäbe im Reaktorblock 2 vermischt

Wien/Budapest. (OTS) - Das ungarische Atomkraftwerk Paks steht
trotz der ungelösten Sicherheitsprobleme unmittelbar vor dem Neustart von Reaktorblock 2. Dabei wurden alte Brennstäbe aus dem Unfallpool von 2003 mit neuen vermischt. In einem offenen Brief an den ungarischen Ministerpräsident Peter Medgyessy und die ungarischen Atombehörden fordert Greenpeace, dass die geplante Wiederinbetriebnahme von Block 2 sofort abgesagt wird, so lange nicht nachgewiesen wurde, dass ein risikofreier Betrieb mit den alten Brennstäben möglich ist. "Ohne eine solche Untersuchung ist dies ein unverantwortlicher Schritt, weil die Folgen nicht absehbar sind", kritisierte Jan Haverkamp, Atomexperte von Greenpeace.

Im April 2003 kam es im Atomkraftwerk Paks zu einem Zwischenfall, wobei ausgediente Brennstäbe auf den Boden des Abklingbeckens gefallen sind. Die Brennstäbe sind dabei zum Teil durch Überhitzung verbogen worden oder sogar gebrochen. Bis heute wurde noch immer keine befriedigende Lösung gefunden um sie zu entfernen. Sie liegen noch immer da wo sie damals gelandet sind. Beim Laden des Reaktorblocks 2 wurden nun alte Brennstäbe aus dem Pool, in dem auch die kaputten Brennstäbe lagen, mit neuen Brennstäben vermischt. Die alten Brennstäbe könnten aber durch die gebrochenen, die im selben Pool lagen, kontaminiert worden sein. "Dadurch könnte es zu Instabilitäten kommen", so Haverkamp.

Da der Betreibergesellschaft MVM jeder Tag Stillstand des Reaktorblocks mehr als 200.000 Euro kostet und für heuer bereits wieder eine Betriebsdauer von 120 Tagen kalkuliert war, will man jetzt aus wirtschaftlichen Gründen den betreffenden Block wieder in Betrieb nehmen. Der von der ungarischen Regierung beauftragte Inspektor für die Aufräumungsarbeiten, der eine verfrühte Wiederinbetriebnahme ablehnte, wurde inzwischen kurzfristig von seinem Amt enthoben.

Greenpeace verlangt eine gründliche und unabhängige wissenschaftliche Analyse der Risiken und eine Veröffentlichung der Ergebnisse bevor Block 2 wieder in Betrieb genommen werden kann. Bei Zweifel über die Sicherheit soll Block 2 weiterhin stillgelegt bleiben. "Es darf nicht sein, das aus rein wirtschaftlichem Gründen ein unbekanntes Risiko in Kauf genommen wird", so Haverkamp: "Mit Atomkraftwerken darf nicht herum experimentiert werden!"

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MMag. Franko Petri, Pressesprecher Greenpeace, tel. 01-5454580-29 oder 0676-5147246
DI Jan Haverkamp, Atomexperte Greenpeace, tel. 00420-603-569243

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