"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Talfahrt der Willkür" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 20. Juli 2004

Innsbruck (OTS) - Die jüngste Krise als Folge der Herrschaft
Jasser Arafats ist noch nicht ausgestanden und weitere werden folgen. Politik in geordneten Bahnen war nie die Sache des charismatischen Führers. Prominente europäische Politiker sahen Einfluss auf den Palästinenserführer als Dreh- und Angelpunkt, um den Lauf der Dinge in die richtige Richtung zu bringen. Doch nicht einmal das Minimalprogramm der geordneten Buchhaltung geriet bei diesen Unterweisungen zum Erfolg.
Immer wieder kochte im Laufe der Jahre der Volkszorn über Willkür und Korruption in Arafats Dunstkreis hoch. Der Kritisierte gelobte Besserung. Geschehen ist nichts, es wuchs lediglich die Zahl der Fäden, an denen er Marionetten zog.
Die mit gewaltiger europäischer Hilfe unterstützte Autonomiebehörde hat vielen etwas gebracht. Am wenigsten aber jenen, die es am Notwendigsten gehabt hätten, den Menschen im Elendsgürtel des Gazastreifens. Untersuchungen verliefen im Sand oder wurden von Arafat gleich zu Beginn mit dem Tadel der Majestätsbeleidigung abgeblockt. Die wirtschaftliche Seite ist eine für die Menschen wichtige, aber vermutlich nicht jene mit den verhängnisvollsten Konsequenzen.
Seit Beginn des neuen Aufstands gegen die Israelis, der Al-Aksa-Intifada, im Herbst 2000 ließ die palästinensische Regierung eine klare politische Linie vermissen. Dieses Versagen von Arafat und seinen engsten Mitarbeitern hat es militanten Gruppen ermöglicht, eigene politische Ziele zu verfolgen. Hamas und "Islamischer Heiliger Krieg" konnten ihre militärischen Strukturen festigen und das Gefahrenpotenzial in der Region steigern. Zeiten der Not und der Enttäuschung sind nicht solche für differenzierte Meinung oder sorgsames Abwägen. Deshalb haben die Extremisten bei jenen, die nichts mehr verlieren können, Zulauf und bekommen Beifall.

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