"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Berater-Boom" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 20.07.2004

Wien (OTS) - Bundespräsident Fischer, selber ein exzellenter Verfassungsrechtler, hat sich Ludwig Adamowich als ständigen Konsulenten angelacht. Der ehemalige Präsident des Verfassungsgerichtshofs bekommt zwar einen Schreibtisch in der Präsidentschaftskanzlei, aber wenigstens kein Extra-Honorar; Adamovich wird ehrenamtlich beraten.
Bei den Bundesbahnen kommen wir Steuerzahler nicht so billig davon:
Die ÖBB-Vorstände haben sich externe Berater im letzten Jahr nicht weniger 20 Millionen Euro kosten lassen - zusätzlich zu den eigenen nicht unbeträchtlichen Gehältern.
Wozu der ganze Aufwand? Heinz Fischer ist wenigstens ehrlich: Seine Äußerungen "in gewissen Fragen" würden dadurch "zusätzlich an Gewicht gewinnen". Ob damit die von der ÖVP angedrohte Beschneidung der Rechte des Präsidenten gemeint ist, ließ Fischer gestern allerdings offen.
Klar ist allerdings eines: Wer sich hinter Beratern versteckt, schiebt Verantwortung ab - in der Wirtschaft genauso wie in der Politik. Ein Unternehmen wie die ÖBB sollte genügend erfahrene Mitarbeiter(innen) haben, um auf millionenteure Berater verzichten zu können.
Und auch Heinz Fischer wird sich fragen lassen müssen, wozu er einen ständigen Berater in Verfassungsfragen braucht. So gut seine ersten Präsidententage auch angekommen sind: Mit einem Berater-Boom wird er in der neuen Funktion nicht punkten können.

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