Otto-Wagner-Spital: Innovation bei Lungenchirurgie

Mehr Lebensqualität für PatientInnen - Erstmals in Österreich Metastasenentfernung in der Lunge durch Laser

Wien (OTS) - Weitaus schonendere chirurgische Eingriffe bei Lungenmetastasen, weniger Blut- und Gewebeverlust, eine kürzere Erholungsphase nach der Operation, kurz mehr Lebensqualität für die operierten PatientInnen - das sind zusammen gefasst die Vorteile, die ein neues, nun erstmals in Österreich eingesetztes Verfahren bei der Operation von Lungenmetastasen möglich macht: Ein spezieller Laser (Neodym-Yag-Laser), der selektiv Lungengewebe schneidet.

Der Laser wird seit geraumer Zeit an der Lungenchirurgischen Abteilung des Otto-Wagner-Spitals (Vorstand Prim. Dr. N. Pridun) in Wien eingesetzt, ist nun nach der Erprobungsphase in den Volleinsatz gekommen. Sie stellt laut dem stv. Leiter der Abteilung, Oberarzt Dr. Peter Hollaus, "eine entscheidende Verbesserung der operativen Therapieoption für Patienten mit Lungenmetastasen dar." Für die Thoraxchirurgie in Österreich sei das neue Verfahren "ein mittlerer Quantensprung".****

Durch das neue Gerät im OP, das bereits bei 76 Patienten - in allen Fällen erfolgreich - eingesetzt wurde, ist es möglich, Metastasen bzw. Krebsherde besonders schonend und sanft aus der Lunge zu entfernen. Größere Gewebsverluste können dadurch in über 90 Prozent der Fälle vermieden werden. Die PatientInnen erleiden nur einen minimalen Lungenfunktionsverlust. Selbst tief im Lungengewebe sitzende Herde werden von den Chirurgen schonend und ohne Blutverlust entfernt. Die Erholungsphase nach der Operation ist deutlich beschleunigt. So ist etwa die Drainage-Dauer (Abfluss von Wundsekreten aus der Wunde) verglichen mit konventionellen Eingriffen halbiert.

"Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, die vielfach auf Grund des Verlusts eines größeren Lungenanteils deutlich eingeschränkte Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten zu heben ", betont Hollaus. Auch sei das Verfahren weitaus Ressourcen schonender als die herkömmlichen Verfahren: Der mittlere Blutverlust beträgt laut Angaben des Thoraxchirurgen 100 ml, die Hälfte der behandelten Patienten verlor überhaupt nur 50 ml Blut oder weniger. Damit muss nur noch ein Zehntel der bisherigen Menge an Blutkonserven bei Operationen eingesetzt werden. Der Verbrauch von Einmalmaterial (wie Staplermagazinen) wird auf Null reduziert und macht das Verfahren auch aus dieser Sicht ökonomisch attraktiv.

Laser: Der berührungsfreie Schnitt

Bei dem Einsatz des Lasers schneidet der Operateur mit dem feinen Laserstrahl die bösartige Geschwulst berührungsfrei direkt aus dem umgebenden Lungengewebe. Dieses wird durch die Hitzenentwicklung unmittelbar "verkocht". Dadurch kommt es kaum zu Blutungen. Auch Durchblutung und Belüftung der Lunge im Operationsgebiet werden nur geringfügig beeinträchtigt.

Bisher waren die Operationen sehr aufwendige, invasive Eingriffe, bei denen viel Blut verloren ging. Die bösartigen Geschwulste wurden mit so genannten Klammernahtgeräten (also Maschinen, die die betreffenden Herde einklemmen und sozusagen "ausschneiden" und "nähen") aus der Lunge herausgeschnitten. Dabei war es je nach Größe und Anzahl der Metastasen bei jedem dritten Patienten sogar erforderlich, einen größeren Lungenanteil - bis hin zu einem ganzen Lungenflügel zu entfernen. Denn die Funktionsweise der Klammernahtgeräte bedingt, dass nur Herde, die knapp unter der Lungenoberfläche liegen, "ausgeklemmt" und entfernt werden können. Tiefer gelegene Metastasen sind für diese Resektionstechnik nicht geeignet.

Da das Klammernahtgerät nicht die anatomische Architektur der Lungen berücksichtigt und weder Gefäße noch Bronchien verschont, kann es bei mehrfacher Anwendungen je nach Ausmaß der entfernten Geschwulst zu beträchtlichen Funktionsverlusten kommen. Diese können zwar langfristig vom Körper wieder ausgeglichen werden, dem PatientInnen direkt nach der Operation jedoch erhebliche Probleme bereiten. Zusätzlich verbleiben Metallklammern im Körper, die eine starke Narbenreaktion hervorrufen, was einen Zweiteingriff erheblich erschwert.

Geißel Lungenkrebs

Lungenkrebs macht in den westlichen Industriestaaten rund 30 Prozent aller durch einen Tumor verursachten Todesfälle aus. In Österreich ist die Lungenkrebserkrankung wie die meisten anderen Krebserkrankungen seit Beginn der 90er Jahre leicht rückläufig. Die Rate der Neuerkrankungen ist bei den Männern insgesamt gesunken. Das Erkrankungsrisiko von Frauen ist jedoch in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Während 1990 insgesamt 886 Frauen an Lungenkrebs erkrankten, waren es zehn Jahre später bereits 1.096. (Männer: 1990: 2.617; 2000: 2.593) Dabei zählt die Erkrankung auf Grund der niedrigen Überlebensraten und der eingeschränkten Behandlungsalternativen zu den besonders tragischen Erkrankungen.

In Österreich sterben pro Jahr rund 3300 Menschen an Lungenkrebs. Lungenmetastasen finden sich allerdings als gefährliche Begleiterscheinung auch bei anderen Karzinomen, wie beispielsweise Brustkrebs, Darmkrebs, Nierenkrebs oder Weichteilsarkomen. Bei Brustkrebs haben etwa 15 bis 25 Prozent aller metastasierten Karzinome isolierte Lungenmetastasen. Ebenfalls entwickeln beispielsweise beim Darmkrebs etwa fünf Prozent Lungenmetastasen. Die Langzeiterfolgsraten nach Entfernung von Lungenmetastasen sind außergewöhnlich gut.

Generell kommt eine Operation von Lungenmetastasen dann in Betracht, wenn die Muttergeschwulst erfolgreich entfernt wurde und außerhalb der Lungen keine weiteren Metastasen gefunden wurden. Der Stellenwert der Chirurgie ist dabei bei vielen Krebsarten sehr hoch. So verzeichnet gerade die Operationstechnik der Entfernung von Lungenmetastasen so beachtliche Erfolge, dass selbst bei einer neuerlichen Rückkehr der Metastasen nach einer ersten Operation ein weiterer Eingriff sinnvoll ist. Der Laser ist auch vor diesem Hintergrund eine Bereicherung: Er erlaubt den Ärzten, ihren Patienten auch die Option auf einen Zweit- oder Dritteingriff offen halten zu können, was wichtig ist, da Lungenmetastasen wieder entstehen können. Bei der herkömmlichen Operationstechnik sind weitere Operationen -wie schon erläutert - durch Vernarbung und Funktionsverlust der Lunge deutlich erschwert bis unmöglich. (Schluss) ph

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