"Kleine Zeitung" Kommentar: "Schicksal der Krisenregionen entscheiden die Menschen dort" (von Günter Lehofer)

Ausgabe vom 19.07.2004

Graz (OTS) - Bühnenscheinwerfer lassen sich auf jeden Punkt der Bühne richten. Der Rest kann im Dämmerlicht oder ganz in der Dunkelheit verschwinden. Das Licht der Aufmerksamkeit auf den Lauf der Welt arbeitet auch so auswählend. So wanderte es vom Balkan nach Afghanistan und strahlt derzeit noch intensiv in den Irak. Aber auch hier könnte der Höhepunkt schon vorbei sein. Die Amerikaner wickeln sich langsam heraus und damit verschieben sich die Scheinwerfer.

Dabei lohnte es sich Afghanistan nicht zu vergessen und den Irak im Auge zu behalten. In Afghanistan wurden die Taliban für einige Jahre ausreichend zerschlagen. Aber die anderen Probleme des Landes blieben ungelöst. Die Kriegsherren in ihren Einflussgebieten regieren das Land. Der hochgelobte und sympathische Präsident Karsai regiert Kabul und Umgebung. Die Macht auch in Afghanistan kommt aus dem Lauf der Gewehre, wie schon Mao Tse Tung sagte. Sie reicht nur, soweit jemand schießen kann.

Die Romantik der Hilfe hat sich gelegt. Zum Glück verbündete sich die Realpolitik mit einem Rest Idealismus und so hat Afghanistan noch immer eine Chance, nicht wieder in die hoffnungslose Gewalt der Taliban zurück zu fallen, sondern sich ganz langsam, auf viele Jahre hin angelegt, gemäßigt zu entwickeln.

Im Irak tobt noch die heiße Phase des Konflikts. Hier ist der Einfluss viel komplizierter. Der Irak ist im Vergleich zu Afghanistan ein mächtiges Land mit vielen Interessen, innen wie außen. Hier wird höher gepokert und mehr gemordet.

Aber auch hier gilt wie in Afghanistan: wenn man die selteneren Nachrichten von der Meinung der Menschen sammelt und prüft, so möchten sie friedlich leben. Sie sind mehrheitlich keine Anhänger von Gewalt und Bürgerkrieg. Aber die Chancen der Friedlichen sind schwach im Vergleich zu jenen der Gewalttäter.

So bleiben zwei Möglichkeiten: sich zurück zu ziehen und zu warten, bis nach Jahren oder Jahrzehnten sich die Lage bessert oder zu versuchen von außen Einfluss zu nehmen und zu steuern.

Es ist interessant, dass im Fall Afghanistan in Europa protestfrei das Steuern von Außen akzeptiert wird, im Fall des Irak aber der Streit sehr bitter war und ist und bleiben wird.

Da ist an eines zu erinnern. Unsere Hilfslinien für Afghanistan und unsere Konfliktlinien für den Irak sind noch lange nicht die Linien in beiden Ländern. Letzten Endes werden nicht wir entscheiden, sondern die Menschen vor Ort. Ob uns das gefällt oder nicht. ****

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