"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Brot und Spiele" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 19.07.2004

Wien (OTS) - Die Zeit der großen Festspielpremieren ist alle Jahre wieder auch die Zeit der Diskussion über Kunst und Geld. Brauchen wir Festspiele, haben alle etwas davon oder werden sie nur für "die da oben" inszeniert?
Bregenz tut sich da relativ leicht. Die Festspiele haben längst einen festen Platz im Selbstverständnis des Landes erobert, Seebühne und Festspielhaus sind aus dem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Zudem geht es hier von der feierlichen Eröffnung bis zum Abschlussfest entsprechend alemannischem Selbstverständnis viel familiärer zu als etwa in Salzburg, und das wissen österreichische wie internationale Prominenz sehr zu schätzen.
Die anstehende Renovierung des Festspielhauses wird dennoch wieder Grund für heiße Budgetdebatten liefern: Staatssekretär Morak verweist auf die beträchtlichen staatlichen Mittel, die in den Umbau fließen; die Kleinbühnen fühlen sich vernachlässigt.
Die Diskussion geht am Kern vorbei. Vorarlberg braucht beides - die Bregenzer Festspiele und die Kleinkunst im ganzen Land. Festspielintendant David Pountney hat kürzlich betont, dass Unterhaltung - auf Neudeutsch "Entertainment" - und hohe Kunst kein Widerspruch sein dürfen. Kunst darf also, ja sie muss auch unterhalten. Wird sie zum Selbstzweck, ist die öffentliche Förderung in Frage zu stellen.
Das ist eine Gratwanderung für die Kulturpolitik, vor allem in Zeiten knapper Budgets. Dieser Auseinandersetzung werden wir uns aber stellen müssen, wenn wir Kulturpolitik nicht auf das altrömische Niveau des Gratisangebots von Brot und Zirkusspielen degradiert sehen wollen.

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