Sima zur Abfallvermeidung in Wien

"Vormarsch der Einweg-Verpackungen bundesweit dramatisch!" Wien fordert gesetzliche Maßnahmen

Wien (OTS) - "Das Problem bei den Wurzeln packen und Abfall erst
gar nicht entstehen lassen", so skizzierte am Mittwoch die neue Umweltstadträtin Ulli Sima ihre Vorgaben für die Abfallpolitik. Müllvermeidung werde einer ihrer Arbeitsschwerpunkte sein. "Auf Bundesebene hingegen wird dem Vormarsch der Einweg-Verpackungen und damit den stetig wachsenden Müllbergen bis jetzt tatenlos zugesehen. Die Mehrweg-Flasche wird im Supermarkt bald zur seltenen Spezies erklärt und unter Artenschutz gestellt werden, wenn die Entwicklung so weiter geht", so die Umweltstadträtin bei einem Mediengespräch in Wien. "Die freiwillige Vereinbarung mit der Wirtschaft ist gescheitert, die Mehrweg-Quote im Keller. Umweltminister Pröll muss endlich handeln und aktiv gegensteuern", fordert die Umweltstadträtin. Sima nutzte das Pressegespräch, um auch einige aktuelle Wiener-Müllvermeidungs-Projekte zu präsentieren. Die Projekte 2004 laufen unter dem Motto "Vermeidung von Lebensmittelabfällen und -verpackungen". "Laut einer Studie der 'Initiative Abfallvermeidung’ besteht ein beachtlicher Teil des Restmülls in den Abfalleimern der Wienerinnen und Wiener aus Lebensmitteln und deren Verpackung. Es landen große Mengen an teilweise völlig intakten Nahrungsmitteln im Abfall", so Sima. Derzeit sind einige Müllvermeidungsprojekte zum Thema Lebensmittel am Laufen, im Herbst soll eine öffentlichkeitswirksame Kampagne folgen. Von Umweltminister Pröll fordert die Umweltstadträtin die überfälligen gesetzlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Einwegverpackungsflut.****

Abfall vermeiden statt wegschmeißen!

Wien geht in Sachen Abfall seit Jahren einen konsequenten Weg, man setzt auf kommunaler Ebene stark auf Abfallvermeidung, getrennte Müllsammlung und Wiederverwertung. "Im Rahmen der Initiative "Abfallvermeidung in Wien", die seit dem Jahr 2002 zahlreiche Projekte durchführt, wurden heuer von den 23 eingereichten Projekten sechs von einer internationalen Jury ausgewählt und werden nun realisiert", erläuterte Sima.

Eines dieser Projekte ziele darauf ab, die Unmengen von weggeworfenen Lebensmitteln in der Stadt zu reduzieren, im Lebensmittelhandel wird die Menge an weggeworfenen, einwandfreien Lebensmitteln auf rund 45 kg pro Filiale und Tag geschätzt. Zugleich steigt die Anzahl der armutsgefährdeten Menschen. Das Projekt "SoWie!" will einen Ausgleich zwischen Überfluss und Mangel schaffen und die einwandfreien Produkte Bedürftigen zur Verfügung zu stellen. Neben einem Sozialen Supermarkt soll es ein Cafe geben und eine Großküche, in der die Lebensmitteln haltbar gemacht werden können. "Die Umsetzung dieses Projektes nützt bedürftigen Menschen aber auch der Wirtschaft durch Einsparen von Entsorgungskosten und nicht zuletzt der Stadt Wien durch die Verringerung der Abfallmengen", so die Umweltstadträtin. Das Projekt befinde sich noch in der Konzeptionsphase, eine EU-Kofinanzierung wurde beantragt. Konkreter ist bereits jenes zur "Abfallvermeidung mit Messer und Gabel", dessen Kernstück das Erarbeiten eines "Restlkochbuches" ist und das Rezepte verrät, wie man mit Lebensmittelresten leckere Speisen zubereitet anstatt sie wegzuwerfen, das Buch erscheint im Herbst.

"Wir wollen im Herbst noch mit einer öffentlichkeits-wirksamen Bewusstseinskampagne auf das Problem aufmerksam machen und auch Änderungen im Kaufverhalten bewirken", kündigte Sima an.

Bereits angelaufen ist das Projekt "Mehrwegsysteme in Wiener Kinos, das darauf abzielt, Einwegverpackungen so weit es geht zu vermeiden und zugleich die getrennte Sammlung biogener Abfälle wie Nachos zu erleichtern. Hochgerechnet auf sämtliche Wiener Kinos wird das Vermeidungspotential auf bis zu 136 Tonnen Lebensmittelverpackungen und Lebensmittelreste geschätzt. Angelaufen ist dieses Projekt im Hollywood Megaplex in der SCN, Getränke und Nachos werden den Kinofans in Mehrweggebinden angeboten, die schließlich in automatischen Retoursystemen landen. Als "Belohnung" für die Rückgabe gibt es ein Gewinnspiel, es winken Sachpreise von Geschäften aus dem Shopping Center Nord. "Die ersten Ergebnisse sind erfreulich, ein Beleg dafür, dass es auch wirtschaftlich sinnvoll ist, Verpackungen wiederzuverwenden, anstatt sie wegzuschmeißen", so Sima. Endgültig ausgewertet werde das Projekt jedoch erst Ende Juli. "Ziel ist es, bei wirtschaftlichem Erfolg, auch andere Wiener Kinos an Bord zu bekommen, damit ein Kinoabend nicht mit Unmengen von Abfall endet", so Sima.

Ein Erfolgsprojekt ist das ReparaturNetzWerk Wien, im Rahmen dessen rund 40 engagierte Mitgliedsbetriebe vielfältige Reparaturen anbieten. Es handelt sich um Kleinbetriebe, die Gegenstände, die anderswo als unreparierbar abgestempelt werden, eine neue Chance bekommen. "Es wird ein bequemes Abhol- und Lieferservice geboten, die Palette der angebotenen Reparaturdienstleistungen ist breit", so Sima. Es gibt eine Hotline, an der interessierte KundInnen und die entsprechenden Betriebe zusammengeführt werden, die Kriterien für die Teilnahme eines Betriebes am Netzwerk sind genau definiert. So muss beispielsweise nachgewiesen werden, dass mindestens 50% der Arbeitsplätze eines Betriebes Reparaturarbeitsplätze sind, was garantiert, dass nicht der Verkauf einer Neuware im Vordergrund steht, sondern die Reparatur eines kaputtgegangenen Gegenstandes.

Für 2005 liegt der Schwerpunkt der Initiative "Abfallvermeidung in Wien" in der Vermeidung und Reduzierung von Bauabfällen und elektr(on)ischen Geräten.

Bund untätig: Einweg am Vormarsch

Scharfe Kritik übte Sima in diesem Zusammenhang an der Entwicklung am Verpackungssektor bundesweit, wo die aktuellen Zahlen der Wirtschaftskammer dramatische Trends aufzeigen: "Der Anteil an Mehrwegverpackungen bei Getränken ist im Jahr 2003 erstmals unter die 50%-Marke gesunken, vom letzten Jahr auf heuer ist sie auf 48,1% gefallen", so Sima. "Seit Jahren beobachten wir diesen Negativ-Trend, der zuständige Umweltminister Pröll sieht bislang tatenlos zu, wie die Mehrwegverpackungen immer mehr aus den Regalen der Supermärkte verschwinden", so Sima. Besonders alarmierend ist - laut dem 4. Umsetzungsbericht der Wirtschaftskammer - die Entwicklung bei Mineralwasser, wo der Mehrweganteil nur noch bei 43,6% liegt. Im Jahr 1994 lag er noch bei 96%. "Seit Einführung der sogenannten freiwilligen Selbstverpflichtung mit der Wirtschaft im Jahr 2000 ist der Anteil an Mehrwegverpackungen von 59,2% auf 48,1% gesunken, ohne gesetzliche Maßnahmen ist dieser Abwärtstrend wohl kaum zu stoppen", warnt die Wiener Umweltstadträtin.

Dies war schon mit der Zielverordnungsnovelle 2000 absehbar, statt der Überprüfung der Abfallvermeidungsziele wurde diese teilweise dramatisch gesenkt, weshalb die Stadt Wien beim Verfassungsgerichtshof Einspruch erhoben und Recht bekommen hat. "Nach Aufhebung der Zielbestimmung für Getränkeverpackungen wegen Gesetzeswidrigkeit im Oktober 2002 ist Minister Pröll bis heute säumig, eine Neuregelung zu schaffen", so Sima.

Sima fordert nun rasch bundesweite gesetzliche Regelungen, um den Anteil an Einwegverpackungen zu senken und zugleich den Ausbau von Mehrwegsystemen zu forcieren. Es gibt Beispiele aus den skandinavischen Ländern, wo die Einführung von Pfandsystemen zu den gewünschten Lenkungseffekten geführt hat "So besteht etwa in Schweden seit 1984 ein Dosenpfandsystem, durch das eine Steigerung der Rücklaufquote von 90% erreicht wurde. Auf PET-Flaschen wurde 1994 ein Einwegpfand erlassen und dadurch eine Rücklaufquote von 80% sichergestellt", so Sima. Im Gegensatz zu Deutschland kann die Dose oder PET-Flasche in Schweden bei einem der 5.500 Supermärkte zurückgegeben werden. Die Pfandpflicht führt zu einem Rückgang der Einwegverpackungen und stellt den sortenreinen Rücklauf gebrauchter Getränkeverpackungen für eine erhöhte Recyclingquote sicher. "Der Anstieg der Müllmengen muss auch in Österreich endlich gebremst werden, er belastet nicht nur die Umwelt, sondern letztlich auch die Brieftaschen der KonsumentInnen enorm. Ich möchte auf allen Ebenen ansetzen, um das Bewusstsein in der Bevölkerung für Müllvermeidung weiter zu stärken, zentraler Ansatzpunkt ist natürlich auch in diesem Bereich die Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen", verspricht die Umweltstadträtin abschließend.

Nähere Infos zu abgeschlossenen, laufenden und künftigen Projekten auf http://www.abfallvermeidungwien.at/ .

Infos zum Reparaturnetzwerk: http://www.reparaturnetzwerk.at/, Servicehotline der Umweltberatung: 01/803 32 32 - 22

(Schluss) vor

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