ARBÖ: 61 Prozent der Versicherungen wollen keine Führerscheinneulinge

77 Prozent der Versicherungen erhöhten ihre Prämien

Wien (OTS) - Für junge Führerscheinneulinge wird es immer schwieriger, eine Haftpflichtversicherung fürs Auto abzuschließen. Das ist das wichtigste Ergebnis der ARBÖ-Erhebung von Mai/Juni 2004 über aktuelle Prämien, Bedingungen und Leistungen der Kfz-Haftplichtversicherungen: Mehr als Hälfte der 18 untersuchten Versicherungen akzeptieren Führerscheinneulinge erst ab einem gewissen Alter - ab 23 oder 25 Jahren - oder nur unter ganz bestimmten Bedingungen.

Elf von 18 Versicherungen lehnen junge Führerscheinneulinge ab bzw. gehen bei der Auswahl der jugendlichen Klientel sehr wählerisch vor, das sind 61 Prozent der Versicherungen. Besorgniserregend ist die Tendenz, denn vor einem Jahr hatten erst 44 Prozent der Versicherungen Jugendliche abgelehnt, weniger als die Hälfte.

Die besten Chancen haben Mädchen mit leistungsschwächeren Fahrzeugen oder neueren Gebrauchtwagen, während sich junge Männer mit stärkeren oder älteren Fahrzeugen schwer tun, eine Versicherung zu finden, so die ARBÖ-Erhebung. So wollte eine große Versicherung kürzlich den 24-jährigen Michael H. nach zwei Unfällen nur dann als Kunden akzeptieren, wenn er eine zusätzliche Lebensversicherung abgeschlossen hätte. (Mit Hilfe des ARBÖ fand sich für ihn dann doch noch eine andere Lösung)

Der aktuelle ARBÖ-Vergleich (www.arboe.at/news) zeigt, dass 77 Prozent der Versicherungen seit einem Jahr teurer wurden. Kein einziges Institut hat die Prämie gesenkt. Die Preiserhöhungen bewegten sich zwischen 0,5 und 23 Prozent und machten im Schnitt rund vier Prozent aus. Insgesamt führten die Preisänderungen dazu, dass sich der Abstand zwischen dem günstigsten und dem teuersten Tarif vergrößert hat. Vor einem Jahr betrug der Unterschied noch 362 Euro (902 und 1264,70) und jetzt macht er 443 Euro pro Jahr aus. (960,48 und1403,48 Euro). Anders gesagt: man kann sich 443 Euro im Jahr ersparen, wenn man die Prämien genau vergleicht!

Der ARBÖ rät allen Autofahrern, nicht nur auf die Prämie zu starren und diese zu vergleichen, sondern immer auch darauf zu achten, welche Leistungen dafür geboten werden. So macht es bei Führerscheinneulingen durchaus Sinn, eine etwas höhere Prämie zu zahlen und dafür beim ersten Unfall einen Freischadenbonus (z.B. Wüstenrot) zu bekommen. Freischadenbonus bedeutet: nach dem ersten Unfall zahlt die Versicherung zwar den Schaden, aber die Prämie wird trotzdem nicht erhöht.

Die Versicherungswirtschaft argumentiert, dass Jugendliche zwischen 18 und 24 eine hohe Risikogruppe darstellen, die vergleichsweise mehr Unfälle "baut" als andere Altersgruppe. Dem hält der ARBÖ zwei gewichtige Argumente entgegen:
Erstens wurde seit eineinhalb Jahren die Führerscheinausbildung reformiert und alle Führerschein-Neulinge müssen auch n a c h der erfolgreichen Prüfung zusätzliche Fahrten absolvieren: zwei Perfektionsfahrten in der Fahrschule, ein ganztägiges Fahrsicherheitstraining (z.B. beim ARBÖ) und einen psychologischen Kurs. In der Folge ist mit weniger Unfällen zu rechnen, so dass günstigere Versicherungsprämien gerechtfertigt wären, meint der ARBÖ. In Finnland sind nach einer ähnlichen Reform die Unfälle der Jugendlichen drastisch zurückgegangen. Doch nur sechs der 18 heimischen Versicherungen tragen dieser neuen "Mehrphasenausbildung" Rechnung und bieten einen Prämienbonus (u.a. Wiener Städtische, Donau, Generali, Raiffeisen) an.
Zweitens hat sich in Österreich das Modell der L-17 Führerscheinausbildung bewährt. Dabei müssen Eltern mit ihren 17-Jährigen gemeinsam 3.000 km abspulen (nach jeweils 1.000 km wird geprüft), bevor diese allein ans Lenkrad dürfen. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit hat einen 15-prozentigen Rückgang der Unfälle bei den weiblichen L-17 Führerscheinneulingen festgestellt.

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