"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zwei wie Tag und Nacht als Kampfansage gegen Bush" (von Edith Grünwald)

Ausgabe vom 10.07.2004

Graz (OTS) - Die Botschaft von Kerry-Edwards kommt bei den Amerikanern an.

Vier Monate vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen wurden bei den Demokraten die letzten Weichen gestellt. Der 60-jährige John F. Kerry kürte den 51-jährigen John Edwards zum Vize. Dabei ist Kerry über seinen Schatten gesprungen, denn die Qualitäten von Edwards sind genau jene Eigenschaften die ihm selber fehlen. Edwards hat immer ein strahlendes Lächeln, er setzt bei seinen öffentlichen Auftritten ungeniert den Charme eines jugendlich-stürmischen Verführers ein und scheut in seinen Reden keine populistische Vereinfachung, wenn er um die Stimmen der kleinen Leute wirbt.

Der Unterschied zum distanziert wirkenden Kerry wird bei jedem gemeinsamen Auftritt deutlich werden - doch das scheint den Senator aus Massachusetts überhaupt nicht zu stören. Er hat nicht - wie viele Politiker - einen schwachen Stellvertreter gewählt, sondern er nahm den stärksten den er finden konnte.

Das Ticket "Kerry-Edwards" ist eine einzige Kampfansage gegen das Amtsinhaber-Duo Bush-Cheney. Die Botschaft von Kerry und Edwards fällt bei vielen Amerikanern auf fruchtbaren Boden. Sie wollen "Ein Amerika" bauen, sie setzen auf die arbeitende Mittelklasse, die immer mehr Schulden machen muss um den Lebensstandard zu halten. Bush und Cheney hätten nur die Interessen der Superreichen und Großkonzerne im Sinn, und mit ihrer Politik "Zwei Amerikas" geschaffen - jenes der wenigen Reichen und das andere der kleinen Leute mit ständigen Geldsorgen.

Die hohen Kosten für Krankenversicherung und Ausbildung der Kinder sind für die Demokraten das liebste Wahlkampfthema. Dazu kommen die toten US-Soldaten im Irak.

Kerrys langjährige politische Erfahrung und Edwards' jungenhafter Charme werden beim Parteitag der Demokraten Ende Juli in Boston die Anhänger massenhaft mobilisieren. Ob die Republikaner bei ihrer Convention Anfang September in New York dann das Steuer wieder herumreißen können ist fraglich. Gouverneur Arnold Schwarzenegger reist aus Kalifornien an und wird zur besten Sendezeit, für George W. Bush werben.

Nur ein massiver Schmutzkübel-Wahlkampf gegen Kerry-Edwards könnte die Aussichten für Bush und Cheney wieder verbessern. Die ersten Angriffe wurden erfolgreich abgewehrt: Zwei "reiche weiße Männer" wollen ins Weiße Haus, ätzten republikanische Strategen in den Talk Shows gegen die beiden Multimillionäre, schossen sich damit aber ein Eigentor. Bush und Cheney gehören ja selber in diese Kategorie. ****

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