Der große Coup/ von Franz Schellhorn

"Presse"-Glosse vom 10.07.2004

Wien (OTS) - Die rumänische Regierung hat sich also ausgerechnet die heimische OMV als Käufer der Petrom - des größten rumänischen Ölkonzerns - auserkoren. Eine feine Sache, möchte man meinen. Ist es letztendlich auch. Schon deshalb, weil ein österreichisches Unternehmen zur Absicherung des eigenen Überlebens Risiko nimmt und so mit der traditionellen Überlebensstrategie der heimischen Wirtschaft bricht. Diese erschöpft sich seit Jahren weitgehend darin, mit Hilfe der Politik Übernahmeversuche böser Ausländer abzuschmettern. Sieht man von den im Osten höchst erfolgreichen Banken einmal ab.
Bleibt zu hoffen, dass sich die Bürger Rumäniens im Falle des ins Land stürmenden "Ausländers" OMV nicht so schäbig verhalten werden, wie dies die bei Übernahmen hysterisch "Ausverkauf" kreischenden Österreicher tun. Denn das Wachstumspotenzial für die OMV ist enorm:
Werden die Verträge noch im Juli unterschrieben, hat die OMV um 40 Prozent mehr Tankstellen und mehr als doppelt soviel Öl und Gas wie heute. Allerdings sind die Ölfelder der Petrom bereits "reif", die Fördermengen sind also im Sinken begriffen.
Das Schöpfen des Wachstumspotenzials wird für die OMV freilich kein Spaziergang: Die Petrom-Mitarbeiter bohren zwar nicht mit den Fingern nach Öl, sind aber alles andere als produktiv. Von 57.000 Mitarbeitern - zehnmal so viele, wie die OMV beschäftigt - wird die OMV nicht weniger als 30.000 feuern müssen. Aber wie lautet eine puritanische Philosophie so schön: Was im Leben zu leicht geht, ist am Ende eh nicht viel wert.

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