GPA: Sonntagsdiskussion als Ablenkungsmanöver

Gewerkschaft fordert breite Zukunftsdebatte für den Handel

Wien (GPA/ÖGB). (OTS) - "Während in Österreich die Allianz gegen die Sonntagsöffnung immer breiter wird, dürften einigen Managern im Handel auch die Entwicklungen bei unseren Nachbarn bislang entgangen sein. Unrichtige Argumente werden durch ständiges Wiederholen nicht besser. So gibt es in Slowenien, Kroatien und Polen Beschränkungen der Sonntagsöffnung und in Ungarn, Slowakei und Tschechien wollen die Handelsgewerkschaften ebenfalls für die Sonn- und Feiertagsruhe im Handel aktiv werden", so der zuständige Wirtschaftsbereichssekretär Manfred Wolf zu den jüngsten Forderungen einiger Handelsmanager nach Öffnung der Geschäfte am Sonntag. ++++

Für die GPA ist die ständige Debatte über den Sonntag nichts anderes als ein Ablenkungsmanöver, um die eigentlichen Zukunftsfragen des Handels nicht diskutieren zu müssen. Es wäre etwa lohnenswert, gemeinsam darüber nachzudenken, wie in der Branche angesichts der zunehmenden Konzentration noch ein fairer Wettbewerb zwischen Großunternehmen und kleinen Einzelhändlern stattfinden kann und welche Maßnahmen dazu notwendig wären.

"Zur Steigerung der Kaufkraft und damit zur Entwicklung eines nachfragefreundlichen Klimas tragen aus unserer Sicht eine deutliche Entlastung der ArbeitnehmerInneneinkommen durch eine Lohnsteuersenkung, reale Einkommenserhöhungen bei KV-Runden und vor allem die Wiederherstellung von Vollbeschäftigung bei, nicht offene Geschäfte am Sonntag. Die Handelsunternehmer sollten eher in diese Richtung Druck entwickeln", so Wolf.

Angesichts des hohen Anteiles von Teilzeitbeschäftigten im Handel stellt sich die Frage, wie diesen Menschen der Zugang zu qualifizierten Tätigkeiten im Handel durch Systeme der betrieblichen Aus- und Weiterbildung ermöglicht werden kann. Auch innovative Modelle zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind für die Praxis zu entwickeln.

Besonders der hohe Frauenanteil in der Branche macht die - nach wie vor bestehende - Einkommensungerechtigkeit sichtbar. Es wäre aus Sicht der Gewerkschaft dringend zu diskutieren, wie im Handel Gleichstellungspolitik für Frauen und das Prinzip des Gender Mainstreamings umgesetzt werden kann.

Wegen der großen Zahl von Überfällen auf Handelsgeschäfte, des Heimweges in den späten Abendstunden und vereinzelten Übergriffen stellt sich zunehmend auch die Frage, welche Vorkehrungen getroffen werden, um Angestellte vor Überfällen und Übergriffen zu schützen und Opfern entsprechende Nachbetreuung zukommen zu lassen.
"Dies ist nur ein Auszug unseres Themenkataloges, und wir laden die Arbeitgeber ein, mit uns darüber zu diskutieren welche Lösungsansätze auf kollektivvertraglicher und politischer Ebene möglich sind", so Wolf.

Er bedauert, dass es offenbar für manche Handelsmanager einfacher ist, mit alten Argumenten Stimmung zu machen, als durch neue Ideen Zukunftsperspektiven für den Handel zu entwickeln.

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ÖGB, 9. Juli 2004 Nr. 498

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