Wirtschaftskammer fordert europäische Harmonisierung bei Netztarifen

Österreich bei Stromliberalisierung de jure unter den Spitzenreitern, de facto bleibt noch viel zu tun, kritisiert WKÖ-Energieexperte Schwarzer

Wien (PWK483) - "De jure zählt Österreich bei der Liberalisierung der Energiemärkte zu den Spitzenreitern in der EU, doch de facto ist es mit dem Einzug des Wettbewerbs noch nicht weit her", kritisierte Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung für Energie und Umweltpolitik der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), heute im Rahmen eines Journalistengesprächs in Brüssel, das anlässlich einer Lobbying-Reise zur EU-Kommission veranstaltet wurde. "Theoretisch ist der Wettbewerb möglich, doch in der Praxis haben die Unternehmen in Österreich davon noch nicht viel bemerkt."

Eine Rolle spielt dabei, dass die Netzkosten hier zu Lande so hoch sind wie in kaum einem anderen Land der EU, was auch durch Studien der EU-Kommission und internationaler Institute bestätigt wird. Demnach hat Österreich die höchsten Netztarife für Gewerbekunden und die dritthöchsten für Industriekunden. "In Österreich wurden im Vorjahr zirka 63.000 Gigawattstunden Strom zu einem Gesamtpreis von geschätzten fünf Milliarden Euro verbraucht. Von diesem Betrag entfielen jedoch nur 2 Milliarden Euro auf den reinen Energiepreis, während die Netzkosten 2,1 Milliarden Euro verschlangen. 0,6 Milliarden entfielen auf Energieabgaben, 0,225 Milliarden auf die Zuschläge für Ökostrom", rechnet Cristina Kramer, Energieexpertin der WKÖ vor.

Die Durchleitungstarife wurden zwar 2002 und per Anfang November 2003 in ersten Schritten gesenkt. "Das hat eine gewisse Angleichung gebracht, aber die Unterschiede zwischen den einzelnen Netzbetreibern sind nach wie vor eklatant hoch", kritisiert Schwarzer. Das lege die Vermutung nahe, dass die österreichischen Anbieter den reinen Energiepreis durch die Einnahmen aus den Netzen stützen.

Fazit: Die Einsparungen, die sich aufgrund der Liberalisierung des österreichischen Strommarktes ergeben haben, wurden zu einem großen Teil durch zusätzliche Belastungen ausgeglichen. "80 Prozent der Liberalisierungseffekte wurden kompensiert", so Schwarzer. "Wird das jetzige System fortgeschrieben, haben wir bald den Break Even Point erreicht. Im Klartext: Die positiven Effekte der Liberalisierung werden durch zusätzliche Belastungen bei anderen Komponenten des Strompreises ausgeglichen."

Vor diesem Hintergrund drängt die Wirtschaftskammer unter anderem auf eine Harmonisierung der Netztarife auf europäischer Ebene und damit die Unterstützung des österreichischen Regulators im Hinblick auf eine weitere Senkung der Durchleitungstarife. Außerdem sei eine Ex-Post-Kontrolle nötig, d. h. wenn sich rückwirkend herausgestellt hat, dass die Tarife mehr als kostendeckend waren, sollte dieser Überschuss in der Tarifkalkulation berücksichtigt werden. (SR)

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