"Hände weg von Sonn- und Feiertagen!"

"Arbeitzeitdiskussion in Österreich so sinnvoll und wichtig wie Verkauf heißer Maroni im August!"

Wien (OTS) - Die durch große Industriekonzerne in Deutschland ausgelöste Arbeitszeitdiskussion hat wohl auch hierzulande dazu geführt, dass neoliberale Persönlichkeiten und PolitikerInnen fast aller politischen Lager mit ihren wirren Ideen den Österreicherinnen und Österreichern den Blick vernebeln. Es gibt keinen vernünftigen ökonomie-, sozial- oder gesellschaftspolitischen Grund die Wochenarbeitszeit zu verlängern, den Urlaub zu kürzen, Feiertage abzuschaffen, den freien Sonntag zu streichen oder grenzenlose Ladenöffnungszeiten einzuführen. "Diese Diskussion ist für uns in Österreich so wichtig und sinnvoll wie der Verkauf von heißen Maroni im August!. Das sagt einem doch der gesunde Menschenverstand, dass eine Verlängerung der Arbeitszeit nicht dazu führen kann die Arbeitsplatzproblematik in den Griff zu bekommen. Darüber hinaus kenne ich persönlich keinen einzigen Firmenchef, der egal welche Ausgangslage er vorfindet, seinen Arbeitnehmern eine Arbeitsplatzgarantie gibt. Eine Änderung des Arbeitszeitrechtes macht keinen Arbeitsplatz in Österreich sicherer, aber die Kassen der Konzern- und Firmenleitungen voller - es bleibt hier wohl nur wehmütig an die Vorgänge rund um das Semperitwerk zu erinnern!" meint Walter Zwiauer, Vorsitzender der Christlichen Gewerkschafter in der Gewerkschaft der Privatangestellten (FCG/GPA).

Auch die Fragen einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit zu erörtern, scheint eher müßig. "Es kann ja nicht sein, dass wir vor einiger Zeit weitreichende Flexibilisierungsmöglichkeiten im Arbeitszeitgesetz verankern, die Betriebe das jahrelang verschlafen und nun vielleicht eine für die DienstnehmerInnen weitere Verschärfung diskutieren. Wenn Herr Minister Bartenstein meint dass "unsere Arbeitswelt ähnlich flexibel ist wie die der USA", dann muss ich mich als Gewerkschafter sowieso fragen ob bei uns nicht etwas schief gelaufen ist. Denn ich kann beim besten Willen weder aus sozialer noch aus ökonomischer Sicht diesem Vergleich etwas Positives abgewinnen," meint Günther Trausznitz, Bundesgeschäftsführer der FCG/GPA. Für die FCG/GPA und für den Großteil der ArbeitnehmerInnen in diesem Land bedeutet Flexibilisierung ein Kompromissgeschäft wo beide Seiten etwas zur Steigerung der Produktivität und des Erfolges des Unternehmens beitragen. "Die jetzige Diskussion reißt ja den Verantwortlichen aus Industrie und Wirtschaft förmlich die Maske vom Gesicht. Wenn sie von Flexibilisierung sprechen, dann geht es in Wirklichkeit um das höchstmöglichste Maß an Einfluss der Verfügbarkeit über die einzelnen ArbeitnehmerInnen. Es sollte am besten nur mehr dann gearbeitet werden wenn die Betriebsleitung Arbeit benötigt. Aber dann natürlich ohne Grenzen und Regulierung. Über solche Entwicklungen sind wir sicher nicht einmal bereit nachzudenken," stellt Trausznitz fest.

Hände weg von Sonn- und Feiertagen!

Die Vorstöße von Androsch und Prinzhorn, aber auch Landeshauptfrau Burgstaller und Bundesminister Bartenstein die Sonntagsruhe zu lockern oder die Feiertage abzuschaffen, zu reduzieren oder verschieben ist das falsche Signal in die noch falschere Richtung, und stößt auf massive Ablehnung bei den Christlichen Gewerkschaftern. "Es geht nicht darum irgendwelche "traditionell-katholische Pfründe österreichischer Art" zu retten - wir sehen einerseits die Familiengefüge gefährdet, aber auch eine Arbeitszeitverlängerung und totale Liberalisierung der Öffnungs- und Arbeitszeiten "durchs Hintertürl". Auch wären die Verluste für Tourismus und Fremdenverkehr durch die Abschaffung der Fenstertage verheerend," so der Bundesgeschäftsführer Günther Trausznitz.

Auch in der kürzlich vom GPA Bundesvorstand beschlossenen Resolution wird klar an der Sonn- und Feiertagsruhe festgehalten, und somit deutlich gemacht dass wohl diesbezüglich ja nicht einmal ein Gesprächspartner zur Verfügung steht.
Die Christlichen Gewerkschafter bekräftigen, in diesem Zusammenhang, ihre Forderung die Sonn- und Feiertage als Staatszielbestimmung in der Verfassung zu verankern, um diverse Begehrlichkeiten von Großunternehmungen nachhaltig zurückzuweisen. Sonn- und Feiertagsarbeit soll auf das notwendige Ausmaß beschränkt bleiben.

Die Verunsicherung der ArbeitnehmerInnen muss ein Ende haben!

Die Österreicher werden durch diese Diskussionen extrem verunsichert. Es wird ja fast suggeriert, dass der einzelne Dienstnehmer auf alles Mögliche verzichten muss, um seinen Arbeitsplatz zu sichern. "Es ist in höchstem Maße unfair die ArbeitnehmerInnen in diesem Land so zu täuschen und zu beeinflussen! Die österreichischen DienstnehmerInnen zählen international zu den produktivsten überhaupt. Alle rechtlichen und gestalterischen Arbeitsbedingungen die sie betreffen sind im internationalen Durchschnitt. Anstatt dies zu honorieren werden sie fast einer "Hirnwäsche" unterzogen, die sie dazu bringen soll auf soziale Errungenschaften zu verzichten für die ihre Vorväter und -mütter unter Bedrohung von Existenz und Leben gekämpft haben," meint Trausznitz, "Sicher gibt es eine Treuepflicht der Arbeitnehmer gegenüber den Arbeitgebern, doch es gibt auch eine Fürsorgepflicht des Dienstgebers. Und vor allem möchten wir abschließend bemerken, dass wir diese ständigen Versuche Dienstgeberrisken und deren Verantwortlichkeiten auf ArbeitnehmerInnen abzuwälzen langsam leid sind."

Die Christlichen Gewerkschafter fordern die Verantwortlichen in der Wirtschaft dazu auf zuerst die möglichen Varianten die seit der letzten Arbeitszeitnovelle möglich sind zu nutzen. Durch die Verlängerung der Lebensarbeitszeit im Zuge der Pensionsreform wurde die Situation ohnehin verschärft. Es ist an der Zeit auch wieder einmal Ruhe einkehren zu lassen!

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