"Neues Volksblatt" Kommentar: "Zwiespältig" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 9. Juli

Linz (OTS) - Die beklemmend-berührende Mischung aus feierlicher Angelobung und gleichzeitiger Trauerfeier hat in ihrer Zwiespältigkeit Symptomatisches in sich: Der von dieser Welt gegangene Bundespräsident, der trotz schwerst angeschlagener Gesundheit voll Pflichtbewusstsein bis zum letzten Moment sein Amt geführt hat. Der gewisse Pomp zunehmend nicht abgeneigt war und gleichzeitig in vielen Dingen des Privaten so durch und durch menschlich war. Der die hohe Schule der Diplomatie auf internationalem Parkett perfekt beherrschte, auf heimischem Boden aber doch ausglitt.
Auf der anderen Seite das neue Staatsoberhaupt, das - auf der Basis lebenslanger Verankerung in der SPÖ - nun vor der Erfordernis unbedingter Überparteilichkeit steht.
Zwiespältigkeiten prägen aber auch das Amt an sich, dessen Trägern die Verfassung die Bürde teils übergroßer Kompetenzen auflastet - von denen gleichzeitig allgemein ausgegangen wird, dass sie natürlich nicht genutzt werden. Auch das sollte bei künftigen Diskussionen nicht vergessen werden: Es ist eine Bürde, an der Menschen auch zerbrechen können.

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt
Chefredaktion
Tel. 0732/7606 DW 782
volksblatt@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001