WirtschaftsBlatt-Kommentar Um Mitternacht zum Greissler

von Michaela Lexa

Wien (OTS) - Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller brachte dieser Tage in einem Interview mit dem WirtschaftsBlatt die Diskussion über die Ladenöffnungszeiten neu ins Rollen: Kleine Greissler ohne Mitarbeiter sollen dann aufsperren dürfen, wann sie es wollen, so der Vorstoss der SP-Politikerin.

Ihr Vorschlag findet unter den Besitzern der Tante-Emma-Läden -wie ein Lokalaugenschein des WirtschaftsBlatts zeigt - durchaus Zustimmung. Die kleinen Lebensmittelhändler wollen in Summe zwar nicht länger aufsperren, aber dafür dann, wann sie es für richtig halten. Und schliesslich weiss niemand besser als sie über die Bedürfnisse der Kunden an den jeweiligen Standorten Bescheid.

So könnten Anbieter in der Nähe von Bahnhöfen zeitig in der Früh den Rollbalken hinaufschieben, um Pendler mit Frühstück oder Jause zu versorgen - oder Greissler ums Eck von Diskotheken oder Bars hungrige Nachtschwärmer verköstigen. Möglichkeiten gibt es viele. Und angesichts der zunehmenden Marktmacht der grossen Lebensmittelketten ist eine Anpassung an die Wünsche der Konsumenten genau der richtige Weg für die kleinen Kaufleute, um im immer konzentrierteren Markt zu überleben.

Denn schliesslich haben die beiden Branchenführer im Lebensmittelhandel - Rewe Austria und Spar - bereits einen ungesunden Marktanteil von 71,1 Prozent, Tendenz steigend. Dazu kommen diverse Diskonter aus Deutschland, die das Match vor allem über den Preis spielen und den Rest der Branche immer mehr unter Druck setzen.

Mit offenen Geschäften in den frühen Morgenstunden oder zu nachtschlafener Zeit könnten die Kleinen die Grossen aber teilweise

ausspielen. Denn für die Ketten rechnen sich derartige Aktionen schon alleine auf Grund der höheren Personalkosten nicht. Diese fallen bei den Greisslern weg, weil ohnehin der Besitzer selbst im Laden steht.

Dass eine derartige Geschäftspraxis im übrigen bestens funktioniert, zeigen tausende von kleinen Lebensmittel-Shops, so genannten Delis, in New York. In der Stadt, die niemals schläft, stellen diese Anbieter die Nahversorgung sicher - auch um 4 Uhr Früh. Und sie alle können überleben.
Zwar darf man Österreich nicht mit New York vergleichen. Doch eines ist sicher: Konsumiert wird überall. Aber nur wer so flexibel ist und um Mitternacht Wurstsemmeln verkauft, wenn der Bedarf da ist, wird den Kampf gegen die Grossen gewinnen.

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