LR Dr. Stöger: Frauen wären durch Arbeitszeitverlängerung und Lohnkürzung besonders belastet

Benachteiligung auch bei Sozialabgaben und Pensionen weiter verschärft

Wien (OTS) - "Die von ÖVP-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und anderen Wirtschaftslobbyisten geforderte Verlängerung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich ist nichts anderes als eine Einkommenskürzung für ArbeitnehmerInnen durchs Hintertürl. Hauptbetroffene wären wieder die Frauen, die ohnehin schon unterdurchschnittlich entlohnt werden", protestiert Frauen-Landesrätin Dr. Silvia Stöger. "Auch die Forderung nach noch flexibleren Arbeitszeiten ist vielfach nur ein Vorstoß für unverschämtes Lohndumping."

Als Beispiel führt Stöger die Aussage des Handelsunternehmers Robert Hartlauer an, der laut "News" vom 1. Juli 2004 "als Erstes ein Abschaffen der Zuschläge bis 22 Uhr" bei der Ausweitung der Normalarbeitszeit im Handel fordert. "Im schlimmsten Fall heißt es eben 1,5 Stunden mehr Zeit totschlagen oder 1,5 Stunden weniger Freizeit. Arbeit sollte doch vor allem Spaß machen", ergänzt dieser Wirtschaftsvertreter im "Format" vom 2. Juli 2004. Stöger: "Da hört sich der Spaß für mich auf, das ist angesichts der Einkommenssituation und der Mehrfachbelastung der Frauen durch Beruf, Haushalt und Familie nur mehr verachtender Zynismus."

Oberösterreichische Frauen haben netto ein um 903 Euro niedrigeres Jahreseinkommen als im Österreich-Durchschnitt und verdienen generell um mehr als ein Drittel weniger als Männer (das monatliche Medianeinkommen der Frauen in Oberösterreich beträgt 1193 Euro, das der Männer 1961 Euro). Auch wenn man den hohen Anteil der Teilzeitarbeit bei Frauen berücksichtigt, beträgt die Spanne immer noch 20 %. Vor allem für alleinerziehende Frauen wird das Einkommensgefälle schon jetzt häufig zur Armutsfalle.

Aber nicht nur bei den Aktiveinkommen, sondern auch bei den Sozialabgaben und bei den Pensionen würden die Benachteilungen der Frauen weiter verschärft. Obwohl Löhne und Gehälter nur 71% des Volkseinkommens ausmachen, entstammen daraus 90 % der Sozialabgaben. Durch die Arbeitszeitverlängerung würde sich diese ungleiche Gewichtung weiter zu Ungunsten der Arbeitnehmerinnen verschieben. Die geringeren Abgaben der Unternehmen würden das Sozialsystem weiter belasten. Und langfristig bedeuten die real weiter sinkenden Einkommen der Frauen natürlich auch geringere Pensionen.

"Bei dieser ganzen Diskussion um Arbeitszeitverlängerung und mehr Flexibilisierung will man mit völlig unseriösen Vergleichen und Zahlenspielereien die Angst der Menschen um ihre Arbeitsplätze ausnützen, um soziale Rechte und gesellschaftliche Grundstrukturen bedenkenlos der Gewinnmaximierung opfern zu können. Familie und Beruf werden für viele Frauen dann bald überhaupt nicht mehr vereinbar sein", so Stöger.

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