Bartoszewski: "Einstellung zu Amerika ist eine Schande"

Experten diskutierten beim Sommercampus Verhältnis EU-USA und das "Europa der zwei Geschwindigkeiten."

Wien (OTS) - "Die Einstellung zu Amerika ist eine Schande für Europa und eine französische Perversität", kritisierte gestern Abend der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski beim Sommercampus der Politischen Akademie scharf antiamerikanischen Positionen. Unter der Leitung von "Presse"-Redakteurin Anneliese Rohrer diskutierte er mit US-Gesandten A. Daniel Weygandt, dem Schriftsteller Adam Zielinski, Akademie-Präsident Heinrich Neisser, Botschafter Franz Ceska und Österreichs Botschafter in Kanada, Wendelin Ettmayer, die Zukunft des europäisch-amerikanischen Verhältnisses und die europäische Verfassung.

Scharfe Kritik am Antiamerikanismus übte gestern Abend beim Sommercampus der Politischen Akademie der ÖVP Polens Außenminister a.D. Wladyslaw Bartoszewski. "Die Einstellung zu Amerika ist eine Schande für Europa - und eine französische Perversität", sagte er. Man könne den Polen keine antiamerikanische Gesinnung einreden.

Bartoszewski stellte den Zeitpunkt der europäischen Verfassung in Frage und vermutete, dass diese bei Referenden in einzelnen Ländern abgelehnt werde. Die EU werde jedoch auch ohne Verfassung weiter existieren, sagte der polnische Außenminister a.D.. Er unterstrich beim Sommercampus die neue europapolitische Rolle Österreichs nach der EU-Erweiterung.

Referenden könnten europäische Identität stärken

Für Referenden über die neue EU-Verfassung sprach sich hingegen Akademie-Präsident Heinrich Neisser aus. Referenden stellten zwar ein Risiko dar, könnten aber bei positivem Ausgang ein bedeutender Schritt in Richtung einer europäischen Identität sein.

Der Gesandte der US-Botschaft in Wien, A. Daniel Weygandt, betonte die Wertegemeinschaft zwischen den USA und Europa. Die Außenpolitik der USA müsse unabhängig von der gegenwärtigen US-Administration gesehen werden. Der zentrale Unterschied zwischen Europa und USA liegt für ihn darin, "dass die Amerikaner stärker in globalen Dimensionen denken."

Österreichs Botschafter in Kanada, Wendelin Ettmayer, kritisierte beim Sommercampus, dass jedes Land in Europa seine eigene Politik betreibe. Botschafter Franz Ceska stellte fest, dass in Europa nicht nur zwei, sondern dutzende Geschwindigkeiten das Bild prägten. Die Bürgerinnen und Bürger würden daher weiter überfordert werden, so Ceska.

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