ÖGB-Frauen kritisieren unsolidarisches Verhalten von Fuhrmann

Keine vorzeitige Anhebung des Frauenpensionsalters

Wien (ÖGB). (OTS) - "Lernen Sie Geschichte, Frau Fuhrmann", stellt ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits zu den Aussagen der Bundesobfrau der Jungen ÖVP klar. Silvia Fuhrmann fordert die vorzeitige Anhebung des Pensionsalters der Frauen bereits ab 2010 anstatt ab 2019. Dazu Csörgits: "Die zentrale Vereinbarung bei der Aushandlung des Gleichbehandlungspaketes Anfang der 90er Jahre bestand darin, dass ein gleiches Pensionsanfallsalter für Frauen und Männer dann gerechtfertigt ist, wenn die Chancengleichheit der Frauen erreicht ist. Doch von der Gleichstellung der Frauen sind wir derzeit noch meilenweit entfernt".++++

Die Chefin der Jungen ÖVP stelle Forderungen auf, von denen sie selbst nicht betroffen sei. "Wir verurteilen das unsolidarische Verhalten von Frau Fuhrmann. Sie soll sich einmal bei den Akteurinnen von damals, die das Gleichbehandlungspaket ausgehandelt haben, informieren. Dann wird sie erfahren, dass viele der Punkte, die im Gleichbehandlungspaket vereinbart wurden, noch immer unerfüllt sind", erklärt Csörgits.

So sei die Schaffung einer ausreichenden Anzahl von Kinderbetreuungseinrichtungen bislang nicht umgesetzt. "Mit einem Betreuungsangebot von gerade neun Prozent für die unter 3-Jährigen gehören wir EU-weit zu den Schlusslichtern. Kinder und Beruf zu vereinbaren, das ist in manchen Gegenden Österreichs wegen fehlender Kinderbetreuungsplätze schlicht unmöglich", so Csörgits.

Auch am Arbeitsmarkt selbst gebe es nach wie vor vielfältige Benachteiligungen für Frauen. "Hunderttausende Frauen sind mittlerweile atypisch beschäftigt. Viele schaffen den Wiedereinstieg nur über eine geringfügige Beschäftigung oder als Freie DienstnehmerInnen bzw. Neue Selbständige. Wir brauchen die Einbeziehung dieser Beschäftigungsformen in den vollen sozial- und arbeitsrechtlichen Schutz", verlangt die ÖGB-Frauenvorsitzende.

Auch die gewaltigen Unterschiede beim Einkommen und den Pensionen von Frauen und Männern zeigten, dass die Chancengleichheit der Frauen bislang nicht verwirklicht sei. "Zur Schließung der Einkommensschere braucht es ein Bündel an verschiedenen Maßnahmen - unter anderem eine aktive Frauenförderung, damit Frauen auch verstärkt in Führungspositionen gelangen und die Erleichterung des raschen Wiedereinstiegs nach der Babypause. Doch die Regierung zementiert mit steuerlichen und familienpolitischen Maßnahmen lieber die traditionelle Aufgabenteilung ein", kritisiert Csörgits. Auch Maßnahmen zur eigenständigen Alterssicherung der Frauen, wie sie im ÖGB-Modell der Pensionsharmonisierung enthalten sind, wurden bislang nicht umgesetzt.

"Anstatt auf weitere Verschlechterungen für Frauen zu drängen, soll sich Frau Fuhrmann lieber bei ihren Parteikollegen dafür einsetzen, dass eine aktive Politik der Chancengleichheit betrieben wird", so Csörgits abschließend.

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ÖGB, 6. Juli 2004 Nr. 488

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