Lapp und Hoscher präsentieren Forderungen für barrierefreien Tourismus

Eine zentrale Anlaufstelle soll über barrierefreie Angebote informieren

Wien (SK) SPÖ-Behindertensprecherin Christine Lapp und SPÖ-Tourismus- und Freizeitwirtschaftssprecher Dietmar Hoscher präsentierten am Montag in einer gemeinsamen Pressekonferenz die Forderungen der SPÖ für einen barrierefreien Tourismus. Wichtig wäre aus Sicht der SPÖ in Österreich eine zentrale Anlaufstelle, die über barrierefreie Angebote informiert sowie die Zusammenarbeit zwischen Freizeit- und Tourismuswirtschaft, Reiseveranstaltern, Verkehrsunternehmen und Hoteliers verbessert. Vorbild dafür ist Deutschland, wo es eine so genannte Nationale Koordinationsstelle Tourismus für Alle (kurz NatKo) seit 1999 gibt. ****

Mit mehr als 19 Prozent Anteil am BIP sei die Freizeitwirt-und Tourismuswirtschaft eine der bedeutendsten Wirtschaftsbranchen unseres Landes, erläuterte Hoscher. Umso verwunderlicher sei es, dass eine große Personengruppe bis dato mehr schlecht als recht an einem auch für sie positiven Tourismus teilhaben könne, nämlich Menschen mit Behinderungen. Es gebe geschätzt rund 36 Millionen Menschen innerhalb der EU, die beeinträchtigt durch ihre eingeschränkte Mobilität als potenzielle KundInnen in Betracht kommen. Gute Angebote und ein barrierefreier Tourismus würden eine große Chance für die österreichische Freizeit- und Tourismuswirtschaft bedeuten. Breche man die Zahlen der Europäischen Kommission auf Österreich herab, so betrage das Potenzial an zusätzlichen Nächtigungen in diesem Bereich bis zu zehn Millionen pro Jahr. Damit könnte man dem selbst gesetzten Ziel, bis zum Jahr 2010 140 Mio. Nächtigungen pro Jahr zu erreichen, nahe kommen.

Untersuchungen würden zeigen, dass die Nachfrage nach barrierefreien Tourismuseinrichtungen besonders zwischen Sommer und Herbst aber auch im Frühjahr gegeben ist, so Hoscher weiters. Daher wäre diese Zielgruppe auch im Kontext mit dem Ganzjahrestourismus sehr interessant. Dennoch sei das Interesse der AnbieterInnen bisher eher als geringer zu bezeichnen, auch wenn es einzelne Nischenprodukte gibt. Es gibt heute unter dem Strich viel zu wenig oder oft auch mangelhafte Angebote, es überwiege vor allem die Mundpropaganda, erklärte Hoscher.

Oft sei es so, dass Hotels in ihre Prospekten "behindertengerecht" hineinschreiben, aber nicht näher ausführen, was damit konkret gemeint ist, sprach SPÖ-Behindertensprecherin Lapp einen Problembereich an. Es sei daher notwenig, dass es einheitliche Standards mit einer leicht verständlichen und einprägsamen Legende gibt, die über alle einzelnen barrierefreien Einrichtungen in Hotels, Pensionen und Urlaubsorten informiert. Barrieren, die immer wieder auftauchen, seien, dass etwa die Rezeptionen in Hotels für Rollstuhlfahrer zu hoch sind oder Eingänge unzureichend beschildert sind, wodurch die Orientierungsmöglichkeit erschwert wird.

Auch bei uns gebe es ein Projekt wie in Deutschland, das sich allerdings noch im Vorstadium befindet, so Lapp. Unter http://www.ibft.tk arbeitet das Österreichische Hilfswerk für Taubblinde und hochgradig Hör- und Sehbehinderte (ÖHTB) an einer Homepage, die nach Fertigstellung ein zentrales stets aktualisiertes Archiv darstellen wird, wo man sich über barrierefreie österreichische Tourismusbetriebe umfassend informieren kann. Die Homepage des ÖHTB sei zwar ein guter Anfang, aber das könne nicht alles sein, betonte Lapp. Die SPÖ fordert daher, dass das Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft sein Bemühungen verstärkt und Anreize (vor allem finanzieller Art) setzt, um auch bei uns eine zentrale Anlaufstelle nach deutschem Vorbild zu etablieren.

Eingebunden in diese Bemühungen müsste auch die Österreich Werbung (ÖW) werden, forderte Hoscher. Über speziell durch die ÖW beworbene Reiseführer ließe sich einiges erreichen. Hierfür wäre der ÖW vom Bund allerdings ein Sonderbudget von vorläufig einer Mio. Euro zur Verfügung zu stellen, so Hoscher. Wichtig sei allerdings, dass eine Umsetzung des Konzeptes "barrierefreier Tourismus" die gesamte freizeit- und tourismuswirtschaftliche Wertschöpfungskette umfasst. Dies beginne bei den entsprechenden Zugangsmöglichkeiten zu Reiseininformationen und reiche über die Reisemöglichkeiten selbst bis zum Freizeitangebot vor Ort. Das Ziel soll letztendlich darin liegen, dem Urlaubsgast ein selbst bestimmtes, barrierefreies Freizeitverhalten in Österreich zu ermöglichen, unterstrich Hoscher. Damit würden sich zusätzliche ökonomische Effekte erzielen lassen.

Grundlage eines Projektes, das zur Förderung und zum Aufbau einer zentralen Anlaufstelle nach deutschem Vorbild dient, soll allerdings ein Masterplan sein, der auf der 2003 erfolgten Untersuchung für "Qualitätskriterien im Tourismus für behinderte und ältere Menschen" des Sozialministeriums aufbaut, so Hoscher. Das Wirtschaftsministerium sollte das konkrete Marktpotenzial für die heimische Freizeit- und Tourismuswirtschaft erheben, um darauf aufbauend mit Experten einen operationalisierbaren Masterplan für diesen Bereich erarbeiten zu können, der über die wertvolle Grundsatzarbeit der erwähnten Studie hinausreicht. "Staatspreise für Tourismus sind wichtig, dürfen aber nicht End-, sondern müssen Ausgangspunkt sein", bekräftigte Hoscher abschließend. (Schluss) ps

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