Vom Reisen und Ankommen: "DOKUmente"-Themenschwerpunkt im ORF

Bretagne, Toledo und China als Reiseziel

Wien (OTS) - Zu Beginn der Sommerferien begibt sich "DOKUmente" keineswegs und doch auf Urlaub. Des Rätsels Lösung: Vom Reisen und Ankommen zeugt ein sommerlicher Themenschwerpunkt, der am Mittwoch, dem 7. Juli 2004, um 23.15 Uhr in ORF 2 mit der "Wahlheimat Bretagne" beginnt. Am 14. Juli steht dann "Toledo - Die Stadt der tausend Gesichter" im Mittelpunkt. Ein wenig weiter weg geht die Reise am 28. Juli - das Ziel des Ankommens ist dann Hainan in China. An diesem Tag widmet zuvor übrigens auch das "Weltjournal" eine Spezialausgabe "Chinas Weg in die Zukunft".

Mittwoch, 7. Juli, 23.15 Uhr, ORF 2
DOKUmente: Wahlheimat Bretagne

Ihre Strände und Felsklippen zählen zu den schönsten Küstenlandschaften Europas. Neben Klima und Natur hat die Bretagne noch ein wesentliches Merkmal: Ihre lebendige Verwurzelung in der bretonischen, der "keltischen" Kultur. "DOKUmente" zeigt diesen schönen, stimmungsvollen Film von Olivier Galy-Nadal über die "Wahlheimat Bretagne" und die Menschen, die von der wilden Schönheit des Landes verzaubert wurden und hierher gezogen sind, um hier zu leben: Schriftsteller, Lehrer, Buchhändler, Sänger. "Normalerweise liebe ich Frauen, die viel zu schön sind für mich. Die mich dazu zwingen, mehr zu sein als ich bin. Genauso ein Gefühl gibt mir auch die Bretagne. Das ist der Ort, der lebendiger ist als mein Leben. Ich habe den Eindruck, dass mir Geschichten vom Osten zufließen und Kräfte vom Westen", sagt Eric Orsenna, Schriftsteller und Weggefährte Mitterands und Mitglied der Académie Francaise. In den vergangenen 50 Jahren war die Bretagne großen Wandlungen unterworfen.

Die landwirtschaftlich geprägte Region holte ihren Rückstand auf, die Menschen wanderten aus ihren Dörfern in die Städte ab. Was ist geblieben vom einstigen bretonischen Geist? Die Menschen in dieser eher verschlossenen Region haben sich auf die alten Traditionen rückbesonnen. Wurzelt die Rückbesinnung in einer Flucht vor der Wirklichkeit? Oder stellt sie eine Öffnung nach außen dar? Wahlbretonen geben Auskunft. Catherine Delmarie lebt auf der Insel Quessant. Vier Tage in der Woche ist sie Personalchefin im Haus der Modeschöpferin Agnes B. in Paris. Dann Landfrau in der Bretagne. Kofi Yamgnane, in Togo geboren, kam vor 30 Jahren in die Hafenstadt Brest. "Die Bretagne ist auf eine besondere Weise spannungsgeladen. An meinem Lieblingsplatz spüre ich die Kraft all der Dinge, die die Bretagne ausmachen: die Felsen, das Meer, die Farben. Auch die Wutausbrüche - und das wäscht mich rein. Dann bin ich wieder bereit, weiterzumachen." Er war der erste schwarze Bürgermeister Frankreichs, heute ist er bretonischer Abgeordneter in der Nationalversammlung.

Mittwoch, 14. Juli, 23.15 Uhr, ORF 2
DOKUmente: Toledo - Stadt der tausend Gesichter

"In Toledo, sagt man, sprechen die Steine zu dir", erzählt Santiago Calvo, Dekan der Kathedrale von Toledo. Die Kirche, Sitz des Primas von Spanien, ist eines der beeindruckendsten Bauwerke von Toledo. Ihr Bau dauerte insgesamt zwei Jahrhunderte und wurde im 15. Jahrhundert abgeschlossen. Toledo, die Hauptstadt der Provinz Kastilien, liegt inmitten einer kargen Landschaft. Vielschichtig, von historischen Brüchen geprägt, wirkt die ganze Stadt wie ein einzigartiges Museum. Das alte Toledo, die Stadt, die von drei Weltreligionen geprägt wurde, wirkt auf den Reisenden immer noch wie verzaubert. Der "DOKUmente"-Film "Toledo - Stadt der tausend Gesichter" von José Pedro Estepa und Jorge Rey steht am Mittwoch, dem 14. Juli, um 23.15 Uhr auf dem Programm von ORF 2.

Christliche, muslimische und jüdische Kultur kreuzten sich in Toledo, der Stadt, die Juden noch heute als "zweite Heimat" nach Jerusalem bezeichnen. "Mit Juden, Moslems und Christen entwickelte sich eine Zivilisation, die zeitweise als Enklave der Toleranz galt", sagt Santiago Palomero, der stellvertretende Leiter des sephardischen Museums. Medizin, Sprache, Literatur und Kunst waren wichtiger als die religiöse Herkunft der Menschen. "DOKUmente" zeigt ein ungewöhnliches Porträt einer Stadt mit vielen Gesichtern. "Die Arbeit an einem Film über Toledo hat mir eine Welt eröffnet, von der ich vorher nicht einmal etwas ahnte", meint Laura, die durch den Film führt.
Das heutige Toledo zeigt sich in strahlender Schönheit und ist in den vergangenen Jahrzehnten multikultureller und moderner geworden denn je. Es steht nicht mehr als Symbol für Abgeschlossenheit, sondern ist ein "Tor zur Veränderung". Eine Stadt, scheinbar ohne Grenzen, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verschmelzen.

Mittwoch, 28. Juli, 23.15 Uhr, ORF 2
DOKUmente: Hainan - Chinas tropisches Paradies

Jahrhundertelang galt sie den Chinesen als Brutstätte von Armut und Barbarentum - die Insel Hainan, Chinas südlichste Provinz, die man für "das Ende der Welt" hielt. Einer der schönsten Strände trägt heute diesen Namen und längst gilt das tropische Paradies als exotisches Touristenziel, vor allem im immer milden Winter. Chinas neue Mittelschichten können sich den Superurlaub leisten, die ansässige Bevölkerung, vor allem Bauern und Fischer, erleben dank der reichen Touristen vom Festland einen Einkommensboom. Werner Fitzthum zeigt im "DOKUmente"-Film "Hainan - Chinas tropisches Paradies" am Mittwoch, dem 28. Juli, um 23.15 Uhr in ORF 2 das Treiben der Touristen, aber auch das tägliche Leben der Inselbewohner und der nationalen Li-Minderheit. Sein Fazit: Chinas Modernisierungseuphorie hat nun auch jenen tropischen Ort erreicht, an den während der Kaiserzeit die unliebsamen Hofbeamten ins Exil verschickt wurden - an das "Ende der Welt". Und so heißt auch jener kilometerlange Sandstrand am südlichsten Zipfel der Insel, der heute von Zehntausenden Touristen jährlich besucht wird. Da wird dann weniger gebadet als flaniert, man bewundert die uralten Steingebilde und fotografiert so gut wie alles, was vor die Linse kommt. Vor wenigen hundert Jahren war dies noch der Ort, von dem es kein Entrinnen gab.

Wie es den Einwohnern der Tropeninsel, den Bauern, Fischern und vor allem der Nationalen Minderheit der Li mit der neuen Tourismuswelle geht, interessiert die chinesischen Reisenden vom Festland eher nicht. Die große Mehrheit der Hainaner hat vom Boom profitiert - vor allem die Bauern, die nun verstärkt jene Produkte anbauen, die von der Tourismusindustrie gebraucht werden - vor allem tropische Früchte, Kokosnüsse und "neue Exoten" wie Erdbeeren. Die Reisernte findet nun immer öfter drei Mal pro Jahr statt (früher zwei Mal), die Einkommen steigen entsprechend.

Auch die Li-Minderheit hat sich mit dem chinesischen Fremdenverkehr arrangiert: Man betreibt bunte Folklore, die man sich gut bezahlen lässt. Die Einnahmen aus einem eigens angelegten "Li-Dorf" für Schauzwecke gehen vor allem in jene Dörfer, in denen die Li ihr gewohntes Leben, allerdings unter moderneren Bedingungen, führen. Auch die Fischer haben ihren Lebensstandard verbessert, auch wenn der steigende Tourismus die Lebenskosten in die Höhe schraubt. Manchmal aber wundern sich die einfachen Menschen, wie sehr die "Neureichen" vom Festland mit "Geld herumwerfen" - das gefällt den Fischern dann weniger. Dass nun auch Appartementanlagen und Golfplätze entstehen, überrascht schon niemanden mehr - man weiß ja aus dem Fernsehen, dass China "modernisiert" wird, jetzt eben auch die Insel Hainan.

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