"Kleine Zeitung" Kommentar: "Warum die Wirtschaftforscher wieder in den Farbtopf greifen"(Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 3.7.2004

Graz (OTS) - Konsumenten sollen wieder mehr Mut zum Geldausgeben kriegen.

Erstaunlich, zu wie viel Poesie sonst so trockene Wirtschaftsforscher inzwischen fähig sind: Das aktuelle Bild der österreichischen Wirtschaftslage gleiche einem "kurvenreichen Güterweg und keiner Konjunktur-Trasse", fabulierte Karl Aiginger vom Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) bei der Präsentation der neuen Wirtschaftsprognosen. Doch "die Warntafeln dürfen abmontiert werden", fügte er noch hinzu.

Immer phantasievoller versuchen professionelle Auguren zu umschreiben, was offensichtlich ist: Dass wenig Dynamik herrscht. Und dass - entgegen aller bisherigen Erfahrungen, wonach auf den konjunkturellen Abschwung mit wenig Verspätung verlässlich ein entsprechender Aufschwung folgt - jetzt auch nach vier mageren Jahren noch keine fetteren Jahre angebrochen sind.

Doch ganz so deutlich wollen die Auguren nicht werden. Das hat seinen Grund: Alle Wirtschaft ist Psychologie. Deshalb ist entsprechende Vorsicht geboten. Weder Investoren noch Konsumenten sollen entmutigt, mit pessimistischen Perspektiven über die Wirtschaftslage in ihrer finanziellen, oft schon bis zur Knausrigkeit gesteigerten Zurückhaltung bestärkt werden.

Die ist ohnehin zu groß und in Deutschland richtig dramatisch. Dort sind private Verbraucher so verunsichert, dass sie jeden Euro vor dem Ausgeben schon dreimal umdrehen. Die realen Umsätze im deutschen Einzelhandel sind 2003 um zwei Prozent zurück gegangen - und immer noch müde.

Und das, obwohl der deutsche Export robuste Lebenszeichen von sich gibt und etwa im April um stolze 16 Prozent zugenommen hat. Dieses kleine Exportwunder hat auch für uns seine guten Seiten. Inzwischen sind im heuer um 8,5 Prozent wachsenden Welthandel nicht mehr bloß Konsumgüter gefragt, bei denen Deutschland noch nie Export-Weltmeister war. Unsere nördlichen Nachbarn erzeugen vor allem Investitionsgüter - und davon kann Asien derzeit nicht genug kriegen.

Das hat viel Charme für Österreichs Wirtschaft: Plötzlich kaufen die Deutschen bei unseren Zulieferern ordentlich ein, kurbeln sie zur Abwechslung wieder einmal unsere Wirtschaft an, statt sie zu bremsen. Das steigert Österreichs Export und sollte die Stimmung im Land heben. Auch die Steuerreform müsste die Zuversicht anheizen. Optimismus ist elementar: Denn ohne mehr Privatkonsum ist alle Poesie der Wirtschafsforscher vergebens. Dann sind auch ihre neuen Wachstumsprognosen wieder viel zu hoch gegriffen.

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